Watchplattform Fragen und Antworten


Gesammelte Fragen und Antworten der Watch Plattform:

Frage: Sollten deiner Meinung nach Alternativen zur Schulmedizin unterstützt oder eher unterbunden werden? Wie offen stehst du neuen Wegen und Denkweisen in der Medizin gegenüber, das heißt informierst du dich erst darüber bevor du zu einem Urteil kommst oder sagst du von vornherein, dass es funktionieren kann? Würdest du jemandem, der dir beweisen will, dass seine Alternative funktioniert, unvoreingenommen diese Chance geben?

Alternative Heilmethoden, wie z.B. die traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist nicht umsonst zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden: Ihre Therapiemethoden sind seit Jahrhunderten auf einem völlig anderen Paradigma der Medizin gewachsen. Statt der lokalen, symptomatischen Diagnose, stellen sie die Ursache und den Organismus als Ganzes ins Zentrum. Wegen ihrer Wirksamkeit akzeptieren viele Kassen Akupunktur, Moxibustion aber auch Yoga und Konzentrationsübungen anderer Kulturkreise. Wenn dabei Selbstheilungskräfte aktiviert werden und Patienten genesen, sind diese Verfahren eine Alternative zu kostspieliger Schulmedizin westlicher Ausprägung, die es häufiger zu validieren gilt, denn die konzertierte Lobbyarbeit von großen Pharmakonzernen versucht häufig, die Wirksamkeit durch hausgemachte Studien positiv hervor zu heben.
Eine klare Absage erteile ich hingegen all jenen Scharlatanen und „Chemtrails“-Medizinern, die es auf die Geldbörse von Hilfe suchenden und verzweifelten Menschen abgesehen haben. Empirische, transparente Überprüfungen und die dazugehörenden statistischen Methoden überführen in der Regel falsche Heilversprechungen als Humbug und wirksame Präparate als Fortschritt für die Gesundheit und Lebensqualität.

Frage: Wie bewertest du die strafrechtliche Verfolgung von Konsumenten illegalisierter Drogen in Deutschland?

Den Konsum von sogenannten illegalen Drogen zu kriminalisieren, ist kontraproduktiv, denn statt einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen zu vermitteln, treibt die Illegalisierung Konsumenten auf einen Schwarzmarkt, der keinerlei Verbraucherschutz hinsichtlich der Qualität der konsumierten Drogen gewährleistet. Dabei werden mündige Bürger doppelt bestraft: Das Risiko für die eigene Gesundheit mangels qualitativer Prüfung und die gesellschaftliche Ausgrenzung von Konsumenten illegaler Drogen führt zur gefährlichen Grauzone, während der leichtfertige und verharmlosende Umgang mit der legalen Droge Alkohol Menschen in die Abhängigkeit treibt. Die Unterscheidung zwischen illegal und legal stellt sich somit als unbrauchbare Trennlinie dar. Sie beruht einzig und allein auf gesellschaftlichen Vorbehalten. Drogen müssen nach ihrer Gefährlichkeit hinsichtlich der körperlichen und psychischen Abhängigkeit bewertet werden. Illegalisierung stärkt dabei auch die Beschaffungskriminalität, denn abhängige Konsumenten können ihre Droge nur auf dem Schwarzmarkt erhalten, dessen Preise häufig mit der individuellen Schwere der Sucht steigen. Natürlich gilt es Jugendliche vor Drogen zu schützen – doch hier wird z.B. die Alkoholprävention sehr lax geregelt, dagegen der Besitz kleinster Mengen von cannabinolhaltigen Drogen restriktiv geahndet. Dabei gilt es, Jugendliche Vorurteilsfrei aufzuklären und einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen zu vermitteln.

2. Frage: Wie bewertest du die Auswirkungen der heutigen Drogenpolitik in Deutschland und international (global), z.B. auf Länder wie Afghanistan und
Mexiko?

Die restriktive Drogenpolitik in Europa stärkt die weltweiten Drogenkartelle und ihre menschenverachtenden Vertriebswege, da die Preise auf dem Schwarzmarkt mit den wachsenden Fahndungserfolgen proportional steigen. Dabei existiert im Schatten der Legalität eine Armee der erwerbstätig Abhängigen, die keinerlei Möglichkeiten haben, sich gegen die rücksichtslosen Arbeitsbedingungen der Kartelle zu wehren. Zwischen den Kartellen und den Gesetzesvertretern schwelt der Drogenkrieg, der jährlich Abertausende von Toten fordert. Der Nachschub von billigen Arbeitskräften macht die Opfer im Drogenmilieu zu einem kalkulierten Kollateralschaden. Die astronomischen Gewinne der Kartelle schwächen gleichzeitig demokratische Strukturen in den Schwellenländern durch Korruption und staatlicher Schattenbeteiligung an der Produktion.

Frage: Wie wichtig ist dir ein grundsätzlicher Wechsel in der Drogenpolitik?

Die kurzfristige Legalisierung weicher Drogen wie Cannabis in Deutschland, sowie die kontrollierte und qualitätssichernde Abgabe durch geeignete Stellen ist der erste Schritt zu einer Entkrampfung der Drogenproblematik. Statt Kriminalisierung brauchen wir eine offene Diskussion über die Funktion von Drogen in unserer Gesellschaft. Das sogenannte „Recht auf Rausch“ braucht eine kulturelle Verankerung. Die jahrzehntelange Stigmatisierung führt einerseits zu einer gefährlichen Enthemmung im Konsum – siehe Komasaufen – und andererseits der Angst vor Kontrollverlust und Reflektion. Stichwort Psychohygiene und Therapie. Das Vermitteln eines verantwortungsvollen Drogenkonsums ist somit die begleitende Kernaufgabe einer besseren Drogenpolitik.

Frage: Wie sollten ggf. deiner Meinung nach Alternativen zur prohibitiv-repressiven Kontrollpolitik aussehen?

Die repressive Prohibition und die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen haben sich als Irrweg erwiesen. Die Statistik der Drogentoten beweist, dass gerade die Pilotprojekte einer verantwortungsvollen, die Drogenabhängigen unterstützenden Politik, zu einem unmittelbaren Rückgang der Drogentoten führt. Die Reinstallierung repressiver Kontrollpolitik dagegen, führt zu einem unmittelbaren Anstieg. Darüber hinaus muss auch die Strafverfolgung neu geregelt werden, denn Drogendelikte sind opferlose Straftaten, deren Verfolgung nur durch ein aktives Kontrollieren und eine entsprechende Leitlinienpolitik geregelt ist. Hier gilt es, die Polizei und Strafverfolgungsorgane umfassend zu schulen und neue Leitlinien zu etablieren.

Frage: Wenn du Kanzler werden solltest, welche drei drogenpolitischen Sofortmaßnahmen würdest auf den Weg bringen?

1. Sofortige Legalisierung von Cannabis und THC-haltigen Produkten. Langfristige Drogenabgabe bei entsprechender fachlicher Qualifikation in Apotheken.
2. Eine Revision des 1994 verabschiedeten Gesetzes des BverfG, das den Entzug des „Rechts auf Rausch“ verordnete.
3. Die Angebote zur gesundheitlichen Versorgung und Überlebenshilfe schwer abhängiger Drogenabhängiger stärken und die Prävention ins Zentrum stellen.

Frage: Kannst du dir eine dritte umfangreiche Aufgabe noch zusätzlich leisten? Als Mitglied des Landesvorstandes Bayern und als Beauftragter für Urheberrecht des Bundes hast du bereits viele Aufgaben. Dort leistest du gute Arbeit – glaubst du, du schaffst es, das Niveau auch bei einer dritten Herausforderung noch auf der gleichen Stufe zu halten?

Bereits in meiner Kandidatur zum Politischen Geschäftsführer habe ich darauf hingewiesen, dass ich für dieses Amt nur ein Jahr zur Verfügung stehe. Ich sehe im kommenden Jahr wesentliche Aufgaben des politischen Geschäftsführers im Wahlkampf um den Landtag in Bayern und den Bundestagseinzug. Daher ist die Verbindung dieses Amtes und meiner Kandidatur eine logische Konsequenz. Ich will einen erfolgreichen Wahlkampf planen und umsetzen. Die Strukturen hierfür kann ich im Amt positiv beeinflussen.
Das piratige Kernthema Urheberrecht wird dabei im Wahlkampf eine wesentliche Rolle spielen, die ich durch meine Präsenz und „Sattelfestigkeit“ erfolgreich umsetzen kann. Die Synergieeffekte aus dem Amt als politischer Geschäftsführer und durch die Beauftragung für das Urheberrecht sind die Basis meiner auf Inhalte ausgerichteten Bundestagskandidatur. Sie sind somit keine zusätzliche Belastung, sondern Teil meines Wahlkampfes um ein erfolgreiches Mandat. Mein Wissen über Verbandsstrukturen, Arbeitsabläufe und Erlösmodelle in der Kreativbranche, sowie die umfassende Kenntnis der praxisnahen Rahmenbedingungen des Urheber-, Verlags-, Verwertungs- und Leistungsschutzrechtes sind die Basis für künftige Vorstöße in den Ausschüssen, um endlich den überfälligen Sprung in die Informationsgesellschaft mittels einer umfassenden Reform des Urheberrechtes anzugehen. Meine erfolgreiche Arbeit im Rahmen der Beauftragung mag als Beweis meiner Befähigung für eine aussichtsreiche Listenplatzierung gelten.


Frage: Wie stehen Sie zur Linkspartei und zu Gregor Gysi?

Gregor Gysi ist ein begnadeter Rhetoriker. Seine Reden im Bundestag sind ein stilistischer Lichtblick im Vergleich mit vielen anderen Bundestagsabgeordneten. Inhaltlich gibt es wenige Gemeinsamkeiten und viele Unterschiede zur Linkspartei. Teilweise Gemeinsamkeiten bestehen in der Drogenpolitik (Legalisierung und Prävention von Drogen statt prohibitiver, restriktiver Kontrolle) und in der Befürwortung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Ebenso gibt es in der dringenden Reform des Urhebervertragsrechts viele Übereinstimmungen.
Grundsätzlicher Dissens besteht jedoch in der Verordnungswut der Linken, das wesentlich mit dem Menschenbild zusammenhängt. Während die Linke Freiheit im kollektiven Heil findet, begreife ich die Freiheit des Individuums im Spannungsverhältnis zum Auftrag einer humaneren Gesellschaftsordnung, die sowohl individuelles Streben nach finanziellem Erfolg als auch nach ideellen Werten fördert.
Dabei tritt an Stelle des Kollektiven ein Netz, das von unten reguliert und individuelles Scheitern als menschliche Wesensart begreift und auffängt. Dieses Sicherheitsgefühl bedeutet für das Individuum mehr Mut, Motivation und Experimentierfreude. Erfolgreiche Lebensplanung muss Auswege und Umwege erkennen und akzeptieren. Die Verpflichtung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft basiert auf freien Stücken und nicht nach Verordnung. Sie ist ein ethisches Grundprinzip des Miteinanders, das in unserem Wahlspruch „Sharing is Caring“ und einem positiven Menschenbild zum Ausdruck kommt.
Das widerspricht übrigens fundamental der internen politischen Kultur der Linkspartei, die in Bayern besonders durch die Überwachung, Verfolgung und Diskreditierung ungeliebter Mitglieder aufgefallen ist und hier leider den stereotypen Vorurteilen gerecht wird, die von den politischen Gegnern seit der Gründung des Vorläufers, der PDS kolportiert werden. Piratenpolitik bedeutet im Kern, sich von klassischen Denkmustern „links“ und „rechts“ der vergangenen Klassenkämpfe zu lösen und eine progressive, sozial verantwortliche Vision des qualitativen Wachstums durch Technologie, des Umgangs miteinander und des allgemeinen Menschenbildes zu fördern.

Frage: Wie diversen Medien zu entnehmen ist, stehen laut Geheimdienstberichten einflussreiche Teile der saudischen Regierung im „dringenden Verdacht“, fundamentalistische Gruppierungen weltweit finanziell und logistisch zu unterstützen. Insbesondere auch durch Stipendien in Deutschland. Würden Sie als Abgeordneter – im Gegensatz zur jetzigen Bundesregierung – einen sofortigen Importstopp saudischen Erdöls befürworten, um den entsprechenden Geldfluss auszutrocknen und damit Schaden von der westlichen Welt abzuwenden – ohne nur angsterfüllt auf eventuell steigende Erdölpreise und wegfallende Exporte deutscher Rüstungsgüter zu blicken?

Aus welcher Quelle das Öl in den Quantitäten fließt, das westliche Industrienationen benötigen: Menschenrechtsverletzungen, Zerstörung der Umwelt und kriminelle Strukturen sind dort häufig an der Tagesordnung. 65% des in Deutschland benötigten Erdöls stammen aus politisch instablien und menschenrechtlich fragwürdigen Regionen wie Russland, Lybien, Kasachstan, Aserbaidschan, Algerien und Saudi Arabien, die selbst unter einem Prozent des deutschen Bedarfes decken. Ein Aussetzen dieser geringsten Menge würde als homöopathische Dosis in Saudi Arabien kaum auffallen.
Friedenspolitik und Entwicklungshilfe sind demgegenüber das einzige Mittel, um sich vor radikalem Fundamentalismus zu schützen, der sich besonders im Schatten restriktiver, konservativ-moralischer Gesellschaften entwickeln kann. Bezeichnenderweise sind gerade in jenen westlichen Zivilisationen, die Vorurteile statt dem Dialog pflegen, diese radikalen Milieus besonders ausgeprägt. Dabei gilt es vor allem für unsere freiheitlich demokratische Gesellschaftsform zu werben, in der die individuelle und freie Religionsausübung genauso geschützt ist, wie die freie Meinungsäußerung, Kunst und Kultur. Diese Werte zu pflegen und zu vermitteln sind der beste Schutz vor radikalen Tendenzen.
Nicht nur unsere eigene Geschichte verpflichtet uns in besonderem Umfang, Waffenexporte zu Gunsten einer aktiven Friedenspolitik verstärkt zu reglementieren und an Bedingungen zu knüpfen. Auch wenn dieser Industriezweig riesige Gewinne erzielt, stehen Menschenrechte an erster Stelle. Der Exportbericht für Rüstungsgüter der Bundesregierung des Jahres 2010 kommt stattdessen einem friedenspolitischen Fiasko gleich, denn ein satter Zuwachs von 72 Prozent der Exporte von Kriegsgütern katapultierte den Umsatz auf über zwei Milliarden Euro.
Zur Einfuhr und der Abhängigkeit vom Öl möchte ich noch Folgendes anmerken: Die Bezugsmenge aus Ländern wie Norwegen und Großbritannien anzuheben, die mit weniger als einem Drittel zu den wenigen politisch stabilen Partnern gehören, garantiert aber keine langfristige Sicherheit, da die bisherigen Quellen aus der Nordseeförderung in absehbarer Zukunft versiegen und die neu erschlossenen Förderquellen in die kritischen Tiefseeregionen verlagert werden. Dort sind die Förderkosten weit beträchtlicher und die Risiken schwer abzuschätzen, wie zuletzt die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko. Darüber hinaus unterliegt der Mix der Öleinfuhr dabei in erster Linie wirtschaftlichen Kriterien, die bei der OPEC und den großen Ölkonzernen festgelegt werden.
Stattdessen gilt es, noch stärker als bisher, alternative Energiequellen zu fördern, denn sie bedeuten Freiheit von Zwängen und von der Bindung an zweifelhafte Partnerschaften in Asien, Russland und den arabischen Staaten. Partner, die ihre Rohstofflieferungen häufig an politische Bedingungen knüpfen und unsere Demokratie abhängig machen. Dabei gilt es dezentrale und regionale Energiekonzepte (Fotovoltaik, Wind, Gezeiten, Speicherkraftwerke) genauso zu fördern, wie alternative Antriebsformen für den automobilen Sektor (Wasserstoff, Elektro). Dabei belegen unabhängige Studien, das bei Nutzung aller Effizienzpotentiale der Umstieg auf Sonne, Wind und Biomasse möglich ist.
Mittel- bis langfristig müssen wir uns vom Öl, Kohle und Gas befreien und hin zu regenerativen Energiequellen verlagern. Denn der Peak Oil und der Peak Fossil wurden laut IEA (Internationale Energieagentur, Teil der OECD) bereits 2006 erreicht. Dabei werden nicht nur die leicht förderbaren Quellen betrachtet, sondern auch jene, die nur unter hohem Energiebedarf das Öl von Schlamm, Erde, Gestein und anderen Substanzen trennen können.
Das bedeutet in der Konsequenz: Fossile Brennstoffe werden in der Zukunft noch viel teurer und ihre Förderungsbilanz energetisch unrentabel, während die weltweite Nachfrage industriell aufstrebender Nationen stetig steigt.

Frage: Welchen Stundenlohn halten Sie für die Arbeit eines Abgeordneten für angemessen – oder anders gefragt: Durch wie viele Stunden Arbeit eines Abgeordneten pro Woche glauben Sie, dass die derzeitige Bundestagsentlohnung von 7960 Euro plus Funktionsbezügen und Amtsausstattung in jeweils vierstelliger Höhe mit bereits beschlossener Erhöhung 2013 (z.B. im Vergleich zum Opel-Mitarbeiter mit ca. 1650 Euro netto Einkommen im Schichtdienst bei 35-Stunden-Woche) dem Normalbürger gegenüber zufriedenstellend zu rechtfertigen wäre?

Halten sie es zudem für richtig, dass die Bundestagsabgeordneten ihre Bezüge selbst bestimmen und keine Beiträge zu ihrer Rente oder zur Arbeitslosenversicherung zu entrichten haben, aber eine Rente nach bereits 8 Jahren Arbeit erhalten, während ein Angestellter 40 Beitragsjahre nachweisen muss?
Das Urteil zur Diätenbestimmung aus den Siebzigern durch das BverfG war ein falsches Signal, denn fast niemand neben den Bundestagsabgeordneten ist in der Lage, seine Bezüge selbst zu bestimmen. Dieser Missstand ist zum Teil auch für die sinkenden Vertrauenswerte in unsere Abgeordneten verantwortlich. Ein breiter gesellschaftlicher Diskurs sollte die Abgeordnetengehälter bestimmen, dabei aber berücksichtigen, dass der Anspruch der Abgeordneten auf eine angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entlohnung im Artikel 48 des Grundgesetzes geregelt ist und auch ihre Unbestechlichkeit sicher stellen soll. Wie der Bundesgerichtshof festgestellt hatte, sind die deutschen Gesetze zur Kontrolle der Abgeordnetenbestechung trotzdem nicht ausreichend. Auch die transparente Listung und das Akkreditierungsverfahren für Lobbyisten würde dieser Bestechlichkeit klare Grenzen setzen. (Hierzu habe ich auch eine programmatische Initiative in unserem Liquid Feedback gestartet „Transparenzregister für akkreditierte Lobbyisten“)
Der gerüchteweise Rentenanspruch nach zwei Legislaturperoden ist mir hingegen nicht bekannt.
Im Falle meines Erreichens eines Mandates und dem Bundestagseinzug, werde ich einen Teil meines zukünftigen Gehaltes der Partei spenden, um die ehrenamtliche Tätigkeit vieler engagierter Piraten zu honorieren.
Dem gegenüber ist der gesetzliche Mindestlohn eine nicht zu verhandelnde, längst überfällige Forderung, die gerade die unterbezahlten Jobs besser stellen würde, die Sie Eingangs erwähnten.
Trotzdem bleibt für mich das zentrale Projekt der Diskussion um gerechte Löhne die Umsetzung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Hier gilt es, eine Evaluierung und eventuelle Pilotprojekte zur Überprüfung der Finanzierbarkeit und den individuellen Auswirkungen anzuschieben, um dann Rückschlüsse für eine umfassende Realisation anstellen zu können. Eine generelle Grundrente für alle Bürger wird von unserer Arbeitsgruppe 60+ vorgeschlagen, die ich voll und ganz unterstützen kann, solange die Forderung nach einem BGE noch nicht umgesetzt wurde.
Zu Grunde liegt meiner Überzeugung, dass die Lebenszeit eines jeden Menschen gleich viel „Wert“ hat, die Wertschöpfung des Einzelnen aber leider unterschiedlichsten, teilweise schwer nachvollziehbaren Kriterien folgt.
In keinem Verhältnis steht z.B. die Bezahlung sozialer Engagements und Pflegeberufe zum Aufwand und seiner Wichtigkeit. Die häusliche Pflege durch Familienangehörige, das Aufziehen von Kindern und viele andere Berufungen werden sogar nur zu kleinen Anteilen entlohnt.
Diese Ungleichgewichte und die Spreizung der „sozialen Schere“ anzugehen, sind eines der wichtigsten Ziele der kommenden Legislaturperiode.


Frage: Durch das Vorgehen von BuVo Vorstandsmitglied Julia Schramm, bzw. die vertragliche Bindung an den Verlag ist es zu einer Löschung eines von ihr verfassten urheberrechtlich geschützten Werkes gekommen. Wie bewertest du diese Situation in Bezug auf die Forderung einer Reformation des Urheberrechtes, wie müsste deiner Meinung nach künftig damit umgegangen werden?

Ich habe diese Frage bereits für den BuVo in einem offiziellen Statement erklärt, weshalb ich das hier wiederholen möchte. Wir Piraten stehen ein für Künstler, ihr Publikum und die Freiheit von Werken. So wie viele andere Mitglieder der Piratenpartei gehört die Beisitzerin des Bundesvorstandes Julia Schramm zu den Urhebern, deren Interessen mir besonders am Herzen liegen. Die von uns geforderte Reform des Urheberrechts umfasst deshalb auch eine Novellierung des Urhebervertragsrechts, um so die weitreichende Selbstbestimmung des Urhebers gegenüber klassischen Verwertungspositionen zu garantieren. In einer Abwägung zwischen wirtschaftlichem und ideellem Interesse obliegt die Wahl des Verwerters und der Vertragsbeziehung jedoch dem Urheber selbst. Gleichzeitig gilt unser Interesse auch dem Schutz des Nutzers vor restriktiver Durchsetzung vertraglich garantierter Verwerterrechte und dem freien Zugang zu Werken und Informationen, deren nichtgewerblicher Kopie und Verbreitung.
In diesem Spannungsfeld ist die Vertragsbeziehung von Julia Schramm und ihrem Verleger zu bewerten. Bereits vor ihrer Wahl in den Bundesvorstand hatte Julia Schramm die Veröffentlichung ihres Buches, sowie Details zum beträchtlichen Verlagsvorschuss kommuniziert. Ferner war sich Julia Schramm zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung noch gar nicht der Tragweite der Durchsetzungsmöglichkeiten des Verlages bewusst. Die gängige Praxis, Anbieter und Benutzer im Netz bereitgestellter Kopien abzumahnen, vom Netz zu nehmen und mit einer Kostennote zu bestrafen, konnte Julia Schramm mittels eines Kompromisses mit ihrem Verlag abschwächen und so eine der Forderungen der Piratenpartei zumindest im Ansatz realisieren. Statt einer kostenpflichtigen Abmahnung versendet der Verlag nur Warnungen in Form von “gelben Karten”.
Eine weitreichende “Fair Use” Regelung für die freie Weitergabe, einer Creative Commons Lizenz oder eines “Pay what you want” Modells für den Onlinebereich wurde vom Verlagshaus hingegen nicht akzeptiert. Wir stärken daher Julia Schramm den Rücken, um diese Forderungen gegenüber ihrem Verleger zu bekräftigen. Einschlägig bekannte Studien beweisen, dass die freie Verfügbarkeit nicht zu sinkenden Umsätzen führt. (Sky is Rising, Hammond Studie uva.)
Statt die ideelle Kraft und Zirkulation von künstlerischen Werken zu fördern, baut die Beziehung zwischen Verwertern und Urhebern nur auf die wirtschaftliche Optimierung des künstlerischen Egos und kennt nur die misstrauische, restriktive Auswertung.
Im Windschatten dieses medial geschürten Konfliktes setzen die Gegner einer Urheberrechtsreform ein weiteres Mal sämtliche Hebel in Bewegung, um weiterhin für ihr veraltetes Auswertungsrecht zu werben und die sachliche Argumentation der Piratenpartei durch eine einseitige und emotional zugespitzte Debatte zu konterkarieren.

Kurzfassung: Ja zur privaten Kopie und der Freiheit von Werken. Nein zu illegalen gewerblichen Kopien. Ja zu neuen Geschäftsmodellen künstlerischer Selbstbestimmung. Nein zu rücksichtsloser Durchsetzung von Verwerterinteressen.

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