Rede Kandidatur EU 14 Bochum, 4.1.14

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Liebe Piraten,

Mein Name ist Bruno Kramm, ich bin in München geboren und bin seit über 25 Jahren in der Musikbranche als Musiker und als GF einer Independent Plattenfirma unterwegs. Ich bin Beauftragter für das Urhr und hab in den letzten Jahren auf vielen Diskussionspodien, in Sendungen und Interviews für unser Ziel einer Urheberrechtsreform gekämpft. An den Protesten gegen ACTA war ich aktiv beteiligt, sei es die Synchronisation des 4 Miliionen mal angeklickten „Was ist ACTA“ Videos oder als Sprecher auf sehr vielen Demos. Zur Zeit bin ich im Hintergrund in der Vernetzung des Protests gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP involviert.

Was ich politisch mache, könnt ihr ganz einfach auf meiner Wikiseite und auf meinem Blog sehen.

Das Europa meiner Jugend war von Vorurteilen geprägt. Es war von geistigen und realen Schlagbäume getrennt und so schwarz weiss wie der Großteil des damaligen Fernsehprogramms. Man präsentierte dem ostdeutschen Nachbarn die systemische Überlegenheit, dazwischen lagen unüberwindbare Grenzen aus Stacheldraht und Mienen.

Als ich 16 war, begann mein digitaler Wandel klein mit einer Datasette und dem C64. Ich vergrub mich in dieser Maschine und als das Internet zu leuchten begann und durch die Universitäten befreit wurde begann meine zweite Kinderstube. Die Sozialisation im Netz. Eine Welt die auf Teilhabe, freie Strukturen und Software aufbaut. Eine Welt die nicht nach Herkunft unterschied und mir ein Tor zum Kosmos des Wissens und des Gemeinwesens öffnete.

Beteiligung an Kultur, Wissen und politische Mitbestimmung: Diese Idee entstand im Netz und findet sich wieder im Gründungsmythos unserer Partei – der Upsala Deklaration, die die Rahmenbedingungen für den Sprung von der alten, starren Dienstleistungsgesellschaft Europas zur offenen Wissensgesellschaft von Morgen umreisst.

Mein Europa von heute ist das Europa meiner deutsch finnischen Familie, ein Europa ohne Grenzen, ein Europa das seine Stärke aus der kulturellen Vielfalt seiner Regionen bezieht.

Leider ist mein Europa auch ein Ort der endlosen Verwaltung bis ins Kleinste, des von “oben herabs”, des Mangels an Mitbestimmung. Ein Europa in dem nationale Interessen gnadenlos ausgespielt werden und Menschenrechte unter den Teppich gekehrt werden.

Ein scheinbarer Rosengarten, dessen äussere Mauern für viele Hilfesuchende undurchdringlich sind. Ein Europa, im dem sogar Ministerpräsidenten unverholen rassistisch und volksverhetzerisch Stimmung gegen die schwächsten Machen, nur um daraus nationalen Profit zu schlagen.

Ein Europa in dem der ACTA Zombie unter dem Namen TTIP/TAFTA als Freihandelsabkommen aufersteht und demokratische Grundrechte zu Gunsten großer Konzerne aushebelt.

Entdemokratisierung und „Privatisierungen“, die Enteignung des öffentlichen Raums und Gemeinwesens passiert heute in Europa tagtäglich mit TTIP und ESM, mit dem Urheber- und Patentrecht, mit regulativer Kolaboration, Warnhinweismodellen und verstecktem Lobbyismus auf allen Ebenen.

Nicht umsonst hat die Unterhaltungs- und Contentindustrie eine unfassbar hohe Lobbydichte in Brüssel und Strassbourg. Eine Industrie die in pervertierter Gier jede Kopie bis in den letzten Winkel verfolgen möchte. Eine Industrie die nicht davor zurückschrecken wird am Ende sogar Methoden zu nutzen die den enthüllten Alpträumen der NSA Massenüberwachung gleichen.

Ich kandidiere für Europa weil ich den Kampf aufnehmen möchte und den Wandel gestalten möchte. Weil ich das Urhr reformieren möchte. Weil ich es kann, weil ich die Gegner unserer Reform durch meine jahrelange Arbeit persönlich kenne, weil ich ihre Strukturen und Strategien aus dem “FF” kenne.

Ich möchte all dem unseren Entwurf eine Gesellschaft in der der Remix von Kultur, Schöpfungen und Wissen als Quell der Wissensgesellschaft dient, gegenüberstellen. In der das freie Kopieren genauso selbstverständlich ist wie die Abwesenheit von Angst, sozialem Absturz oder Ausgrenzung.

Ich kandidiere, weil ich TTIP niederschmettern möchte, wie uns das schon einmal mit ACTA gelang.
Auch wenn viele von uns nach den letzten Wahlen, nach der Selbstzerfleischung, nach der Beschäftigung mit Oberflächlichkeiten ihren politischen Kompass verloren haben. Der Auftrag der Piraten für den Wandel ist wichtiger denn je und er ist europäisch.

Unsere Kernthemen sind das Skelett einer neuen postmateriellen, sozial-liberalen und progressiven Gesellschaftsordnung. Für ein Europas des Wissens und des Miteinanders: Erst zusammen ergeben sie ein Narrativ. Statt Zwang und Vollbeschäftigung baut das BGE auf lebenslanges Lernen und individuellen Forschergeist. Ideen die nach dem Gemeinwesen und nicht nach dem Profit bewertet werden, erzeugen Wachstum und Fortschritt auf einer nicht messbaren Skala – der Menschlichkeit.

Um die Piraten in Europa zum Erfolg zu führen müssen wir den Menschen den roten Faden, der unser Programm von der Netzpolitk und dem Urheberrecht bis zum bedingungslosen Grundeinkommen beseelt, nahe bringen. Dafür braucht es starke Kommunikatoren und Vermittler. Menschen mit Mut und Stimme. Echte Piraten. Ich stehe bereit und brenne für diese Aufgabe, mehr denn je.

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