GEMA Troopers from Outta Space

Cas-A
Unendliche Weiten, das atemberaubende Panorama der Milchstraße, die stumme, Milliarden Jahre alte Illumination der Galaxien, die uns als einen kleinen Zweig eines Apfelmännchens erscheinen lassen. Unsere Kraft zu staunen ist so mächtig wie der Wille, dieses Universum zu begreifen. Was wäre diese Schönheit ohne Gegenwart eines der ästhetischen Bewunderung fähigen Betrachters?

Gäbe es diese Gedanken überhaupt ohne die Space Night?

Bamm – plötzlich reißt uns sogar hier die GEMA mit ihren Forderungen aus dem Tagträumen. Es droht das ungeheuerliche Aus für eine Institution des Fernsehens: die Space Night.

Denn die neue Tarifforderung der GEMA hätte unter anderem die Konsequenz, dass die Space Night für den BR nicht mehr rentabel wäre. Natürlich stellt sich sofort die Frage nach den wirklichen Gründen: Wenn die Haushaltsabgabe ein großes Plus an Gebühren erwirtschaftet, wieso reicht es dann nicht mehr für die Space Night? Oder liegt es einfach daran, dass die Intendanz den Wert der Space Night nicht einzuschätzen weiß? Oder sind die gerade erst mit der GEMA intransparent ausgehandelten Tarife wirklich so hoch, wie der siebenstellige Betrag vermuten lässt? Hat sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Tarifpoker fast schon sträflich leicht über den Tisch ziehen lassen? Und welche anderen Formate sind von einem finanziell bedingten Aus durch die GEMA-Tarife betroffen?

All diese Fragen sind jetzt erst einmal gleichgültig, denn der Vorschlag, der aus der Mitte des Netzes kam, hat revolutionäre Sprengkraft und trägt erste Früchte. Wenn unsere Sendeanstalten, so wie jetzt der BR im Falle der Space Night, ein klares Signal für die Unterlegung mit GEMA-freier Musik geben würden, könnte davon endlich die viel erhoffte Stärkung des “Open”-Gedankens in der Mitte der Gesellschaft Wurzeln schlagen.

Denn die größte Problematik stellt nach wie vor die Akzeptanz für Creative Commons dar. Von vielen Verbänden als Gratis- und Ramschsiegel abgetan, fällt es ähnlich schwer, die freien Lizenzen zu etablieren wie den Gedanken loszuwerden, bei Crowdfunding handele es sich um Almosen. Gerade jene Verwerter und Verbände trommeln besonders laut gegen offene Lizenzen, die ihr Geschäftsmodell auf Beteiligungen an GEMA-Tantiemen gebaut haben. Die Zunft der Verleger, die schon lange keine Musiknoten mehr druckt, existiert nur dank eines satten 40%-Anteils an GEMA-Tantiemen ihrer vertraglich gebundenen Urheber. So belaufen sich die im Jahr an die Verleger ausgeschütteten Erlöse auf ungefähr 300 Millionen Euro.

All den Urhebern, die jetzt glauben, diskreditiert zu werden – egal, ob GEMA-Mitglied oder nicht – Erfolg stellt sich nur ein, wenn die Message ankommt. Wer per Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, hat nun eine weitere Plattform, um seine Message zu verbreiten: die Space Night.

Und gerade die jüngste Vergangenheit beweist: Creative-Commons-Musiker können immer öfter von den Früchten ihrer Werke leben.

NDR – so machen wir das

Bildschirmfoto vom 2013-01-05 14:59:26
Wer dieser Tage auf den Seiten des NDR oder des Funkhauses Hannover nach Beiträgen zur Landtagswahl sucht, wird die Piraten nur als Fußnote finden.

Spitzenkandidatengespräche mit den etablierten Parteien CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke werden täglich produziert, in den Beiträgen wird über ihren Internetwahlkampf berichtet und ihre Wahlprogramme vorgestellt. Die Piratenpartei und ihre Kandidaten hingegen werden größtenteils ausgeblendet.

Die lapidare telefonische Erklärung, man würde nur über Parteien berichten, die bereits im Parlament vertreten waren oder sich in den Umfragen über 5% bewegen, irritiert. Umso wundersamer, da die FDP und die Linke in diversen Umfragen bereits hinter den Piraten und unter 5% gelandet sind.

Auf eine schriftliche Anfrage wurde dann so geantwortet:

“Sehr geehrter Herr xxxx,
der NDR versucht in allen seinen Berichten stets unparteiisch zu sein und jede politischen Meinung zu präsentieren. Jedoch ist es in Berichten nicht immer möglich über alle Parteien zu berichten, daher werden die Parteien ausgewählt, die in der Bundesrepublik den meisten Rückhalt haben. Somit ist es möglich das nicht alle Parteien in Berichterstattungen berücksichtigt werden können.
Wir bedauern Ihnen keine andere Antwort geben zu können und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
Norddeutscher Rundfunk Markenkommunikation | Hörer- und Zuschauerservice”

Den nicht quantifizierten Rückhalt in der Bevölkerung als Kriterium für das Übergehen anzuführen, klingt bestenfalls konstruiert.
Die Piraten sind in den letzten vier Landtagswahlen erfolgreich in die Parlamente eingezogen, weshalb alleine die Wahrscheinlichkeit eines wiederholten Einzuges Grund genug sein sollte, über ihren Wahlkampf zu berichten. Gerade wenn man sich – so wie der NDR – im Vorfeld der Wahl nicht zu Schade war, über viele noch so kleine Personaldebatten und Gates der Piratenpartei zu berichten, anstatt die Inhalte zu präsentieren.

Im Zuge der aktuellen Einführung der Haushaltspauschale und der Debatte ob diese Abgabe überhaupt zeitgemäß und fair ist, stellt sich einmal mehr die Frage: Ist das was der NDR zur Niedersachsenwahl abliefert, die viel gelobte Neutralität öffentlich-rechtlicher Berichterstattung?

So stellt sich die Frage: Is “Hallo Niedersachsen” A MAC? – Bisher leider Ja!

Update: Der NDR Beitrag “Wahlkampf im Internet” hatte sich mit der Reaktionszeit der Parteien auseinander gesetzt. Leider fehlen auch hier die Piraten. Dieser Job wurde jetzt von Zentralprojektion nachgeholt.