Bewerbungsrede LMVB142

Liebe Piratinnen und Piraten,

Ich kandidiere, weil ich mit großer Sorge die Entwicklung unserer Partei sehe.
Ich kandidiere weil ich wegen den Berliner Piraten Pirat wurde und weil ich nicht will dass die Arbeit aber vor allem die Hoffnungen, die in uns gesetzt wurden, verpuffen.

Ich kandidiere für den ersten Vorsitzenden auch, weil ich die gute Arbeit des bisherigen Vorstandes weiterführen möchte. Pupe und mich verbindet sehr viel. Er hat mich umfassend gebrieft und wir würden die gute Arbeit weiterführen.

Ich kandidiere weil ich moderieren kann, verbinden kann, Demut vor der Vielfalt unserer Partei habe, aber vor allem ein möchte: Kraft spenden und für all das einstehen was die Piraten so erfolgreich gemacht hatte: Ihre Aufmüpfigkeit, Unkonventionalität, das punkige Selbstverständnis neuer Politik im Netzzeitalter, ein Menschenbild der Teilhabe für alle, egal aus welchem Land sie kommen, für welches Geschlecht sie sich entschieden haben und wen sie lieben.

Vor allem aber will ich eins: Mut spenden für das was hier begann. Der Aufstieg der Piraten begann in Berlin.
Nicht einschüchtern lassen von den Rufen außerhalb Berlins,in dem sie nicht leben, das ihnen aus der Ferne fremd erscheint, weil sie Berlin nur als touristische Attraktion kennen.

Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen von den digitalen Wutbürgern die nur den Status der Netzfreiheit der frühen Internetzeit herstellen wollen, ohne zu begreifen dass die Umwälzungen radikal alle Bereiche der Gesellschaft verändern KÖNNTEN. Statt Überwachungstaat eine liquid transparente Teilhabedemokratie. Statt reiner Aufmerksamkeitsökonomie eine transkapitalistische Commonskultur.

Wenn wir hier nachgeben, wird aus der liberalen Durchschnittlichkeit von jetzt die marktradikale Zukunft gegossen. Die Emanzipation der Menschen, die Befreiung von Wissen, Information, Kultur steh auf dem Spiel. Und sie beginnt im Zukunftslabor Berlin.

Wir können und müssen mutig sein, weil wir eine großartige Bilanz vorlegen können. Wir können stolz sein auf das bisher erreichte:
Seht was wir in den Bezirksparlamenten und im AGH in Sachen Streaming, Informationsfreiheit, Freifunk, Beteiligung und Offenlegung erreicht wurde.
Auch wenn einige ihre Mitgliedschaft abgegeben haben, sie haben die Werte unserer Programme im Herzen.

Wir müssen uns auf Berlin konzentrieren, dort wo der Siegeszug der Piraten mit dem Ruf nach mehr Beteiligung und Transparenz, nach einer grenzenlosen Welt begann. urban, aufmüpfig, kreativ, selbstbestimmt.

Wir haben heute den Start unserer SMV hinbekommen, während im restlichen Deutschland noch per Briefwahl Fragen von Gestern beantwortet werden. SMV heisst: Jederzeit, von jedem Ort und zu jedem Thema.

Nein, wir dürfen uns nicht mehr einschüchtern lassen. Weder von Innen heraus, noch von Außen. Wir müssen die Mutlosigkeit abstreifen, die Patina die unser Menschenbild belegt hat abbürsten, und unsere Werte der Menschlichkeit, die tief in unserer Satzung verankert sind mutig erneuern.
Dann gewinnen die Berliner wieder Vertrauen, dann sind wir in Berlin die einzig wählbare Opposition, dann gestalten Piraten im Zukunftslabor Berlin weiter und werden auch wieder den Rest dieses Landes inspirieren.

Foto: Ben de Biel CC-BY-SA

Mauern einreißen – 25 Jahre Mauerfall


Vor 25 Jahren war es kaum vorstellbar, dass man als Westdeutscher in Ostdeutschland leben könnte. Heute lebe ich selbstverständlich als Bayer in Potsdam. Meine Tochter geht hier nächstes Jahr zur Schule.
Unsere erste Deutschlandtournee 1990 hat meine Band Das Ich an Orte geführt die vorher als Feindesland galten: Jena, Cottbus, Karl Marx Stadt, Leipzig, Dresden, Weimar. Bereits ein Jahr nach dem Mauerfall gab es das erste Ost-West Deutsche Wave Gotik Treffen in Leipzig. Ein Festival das heute internationalen Rang hat. Der Mauerfall war ein Glücksfall und eine Erfolgsgeschichte.
Eines sollten wir aber nie vergessen: Mauern sind schneller aufgebaut, als eingerissen. Mauern sind nicht nur aus Stein und Stacheldraht. Sie wachsen ständig um uns herum. Sie sind häufig unsichtbar. Sie teilen Menschen in Ideologien, Religionen, Geschlechter und Rassen auf. In ihrem Schatten wachsen Vorurteile, Hass und Gewalt. Mit ihnen wird häufig regiert und die Leidtragenden sind jene, die diese Mauern nicht überwinden können und ausgegrenzt bleiben.

Die virtuellen Mauern im Internet grenzen Menschen von Wissen und Bildung aus. Sie sorgen dafür, das Inhalte in unserem Land nicht verfügbar sind und bestimmte Informationen gar nicht erst zu uns durchdringen.
Die Überwachung im Internet ist die Mauer für die Meinungsäußerung der freien Herzen. Je mehr wir überwacht werden, desto höher wird die innere Mauer zu demonstrieren und sich für die Freiheit lautstark einzusetzen.
Und die Mauer, die intransparente Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA bauen sind wirtschaftlich Art. Sie schützen Geschäftsmodelle großer internationaler Konzerne gegen demokratische Rechte der Menschen. Freihandelsabkommen sind die neue geostrategische Mauer gegenüber den Ländern des Ostens und Südens die von der Handels NATO der westlichen Industrienationen errichtet wird.

Und die größte Mauer, die es zu überwinden gilt, zieht ihren gnadenlosen Bannkreis um Europa: Menschen die sich hilfesuchend auf den Weg zu uns machen, scheitern an der Mauer um Europa und ersaufen im Meer. Das sind die Mauertoten von heute.

25 Jahre Mauerfall sind ein Grund zu feiern, aber nur wenn wir gewillt sind wie damals mutig Mauern einzureißen. Nehmen wir uns ein Beispiel und reißen die neuen Mauern ein. Unsere Inneren, die Mauern von Europa und der Welt.