Krise der Demokratie

Donald Trump ist wie Wilders, Le Pen, Orban, Erdogan, PIS, Pegida und AfD nur ein weiterer Beleg für die Krise der Demokratie im Mikro- als auch im Makrokosmos. Sofern gilt nach wie vor die eine Regel: Think global, act local.
Die demokratische Krise speist sich selbst wesentlich aus drei Problemen

1. Angst fressen Verstand:
Menschen ziehen sich auf das postfaktische, Nationalistische zurück, da Ihnen das Globale Angst macht. Anstatt rechtzeitig die Chance der einen Welt zu begreifen und zu ergreifen, ist es vor allem das global-demokratische Vakuum das multinationale Konzerne dann mit ihren intransparent lobbyiierten Abkommen defacto allein und unter Ausschluss der Menschen bestimmen, gleichzeitig aber nationalistische Reflexe, vermeintlicher Sicherheit speisen. Die Krise der Demokratie ist die Diktatur des Kapitalismus. Das soll jetzt nicht nach Kommunismus 2.0 klingen, sondern meint eher den Commonism, der auch aus der Ressourcenknappheit hergeleitet wird. Ausserdem – Es ist viel cooler wenn man nicht alles besitzen muss, sondern nutzt, wenn man es braucht. Macht flexibel. Diese Angst vor dem neuen Globalismus, der durch das Netz zusammengewachsenen Welt ist es aber auch, warum Populisten wie Trump, Le Pen, Wilders, Orban, Erdogan so erfolgreich sind. Wut ist nun mal rein archaisch-animalistisch das effektivste Ventil gegen Angst. Ohne Wut würde Pegida bis AfD nicht funktionieren.

2. Konservativismus statt Chancen ergreifen:
Demokratie hat immer die Möglichkeiten der Zeit genutzt – Repräsentative Demokratie geht auf eine Zeit zurück, in der es aus praktischen Gründen gar nicht anders möglich war, als Stellvertreter zu wählen. Die Delegierten waren Repräsentanten
oder Amtsträger die dann mit der Postkutsche oder dem Pferd zu den Parlamenten oft Tagelang reisten, während die Wähler ihrem Tageswerk nachgehen konnten. In den USA sieht man dieses Postkutschen-Ding sehr gut an dem bis heute praktizierten Wahlleute-Verfahren. Diese Verfahren verzerren aber auf ähnliche Weise wie Wahlverfahren selbst das Ergebnis in schwarz-weiss, denn “The Winner takes it all”, die Minderheit hat kaum Mitspracherecht. (Was die Wahlverfahren betrifft: Man kann mit einem Approval sehr geschickt ein anderes Ergebnis erzeugen als mit mit einem Heinze Wahlverfahren). Der digitale Wandel würde hier mit der liquiden Demokratie genau diese Möglichkeiten zur ständigen, ortsunabhängigen und konstruktiven (z.B. durch temporär-thematische Kettendelegationen wie in der Opensource Software Liquid Feedback) aller Wahlberechtigten ausschöpfen, die dann die politischen Vertreter zu jedem Thema mit einem klaren und aktuellen Auftrag ausstattet und gleichzeitig für Transparenz sorgt. Da die Menschen im Zeitalter des Internets die n->n Kommunikation als neuen Standard schätzen gelernt haben (also nicht mehr 1 Fernsehsender – 1 Mio stumme Zuhörer, sondern
jeder ist multidirektionaler Sender und Empfänger), fordern unterbewusst viele Menschen auch diese neue Lebensrealität in der politischen Vertretung.

3. Misstrauen und Machtgier statt Partizipation:
Machtverlust geht damit einher und Transparenz verhindert Korrupution und Küngelei aber vor allem die eigene Egobestätigung und Geltungssucht die nun mal politische Ämter mit sich bringen. Nicht umsonst sind viele traditionelle Politiker menschlich-seelisch sehr verkrüppelte Gesellen, häufig mit massivsten Minderwertigkeitskomplexen. Dazu gesellt sich, das man Menschen die sich lange genug haben dirigieren lassen und auch wissentlich ausgenutzt wurden, nicht zu viel zutraut. So bisschen wie die Angst von Bauern, ihre zeitlebens eingesperrten Schweine in die Freiheit zu lassen. Man fürchtet die Wut, wenn Kreaturen die Freiheitsberaubung erkennen, aber zweifelt auch deren Fähigkeit an, mit der Freiheit sinnvoll umgehen zu können. Genau das hört man dann immer von aktuellen politischen Entscheidern: “Ihr seht doch was bei einem Brexit rauskommt”, “Die darf man nicht zu viel beteiligen” Das Problem hier ist aber nicht die direkte Demokratie, sondern der oft vorgeschobene Teilhabewunsch in Momenten die strategisch dann genau zu gewünschten Ergebnissen führen.
Neue Strukturen nur temporär nach gusto zu benutzen, ist die infamste aller Arten, jene Strukturen zu diskreditieren.

 
Wenn wir nicht über mehr Transparenz und neue Beteiligungsverfahren für die zusammenwachsenden Gesellschaftsformen in globalen wie nationalen Räumen nachdenken, wird der Verdruß gegenüber den Institutionen und der Demokratie in radikaler und totalitärer Nationalstaatlichkeit enden. Wehret den Anfängen!

 

 

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