Mauern einreißen – 25 Jahre Mauerfall


Vor 25 Jahren war es kaum vorstellbar, dass man als Westdeutscher in Ostdeutschland leben könnte. Heute lebe ich selbstverständlich als Bayer in Potsdam. Meine Tochter geht hier nächstes Jahr zur Schule.
Unsere erste Deutschlandtournee 1990 hat meine Band Das Ich an Orte geführt die vorher als Feindesland galten: Jena, Cottbus, Karl Marx Stadt, Leipzig, Dresden, Weimar. Bereits ein Jahr nach dem Mauerfall gab es das erste Ost-West Deutsche Wave Gotik Treffen in Leipzig. Ein Festival das heute internationalen Rang hat. Der Mauerfall war ein Glücksfall und eine Erfolgsgeschichte.
Eines sollten wir aber nie vergessen: Mauern sind schneller aufgebaut, als eingerissen. Mauern sind nicht nur aus Stein und Stacheldraht. Sie wachsen ständig um uns herum. Sie sind häufig unsichtbar. Sie teilen Menschen in Ideologien, Religionen, Geschlechter und Rassen auf. In ihrem Schatten wachsen Vorurteile, Hass und Gewalt. Mit ihnen wird häufig regiert und die Leidtragenden sind jene, die diese Mauern nicht überwinden können und ausgegrenzt bleiben.

Die virtuellen Mauern im Internet grenzen Menschen von Wissen und Bildung aus. Sie sorgen dafür, das Inhalte in unserem Land nicht verfügbar sind und bestimmte Informationen gar nicht erst zu uns durchdringen.
Die Überwachung im Internet ist die Mauer für die Meinungsäußerung der freien Herzen. Je mehr wir überwacht werden, desto höher wird die innere Mauer zu demonstrieren und sich für die Freiheit lautstark einzusetzen.
Und die Mauer, die intransparente Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA bauen sind wirtschaftlich Art. Sie schützen Geschäftsmodelle großer internationaler Konzerne gegen demokratische Rechte der Menschen. Freihandelsabkommen sind die neue geostrategische Mauer gegenüber den Ländern des Ostens und Südens die von der Handels NATO der westlichen Industrienationen errichtet wird.

Und die größte Mauer, die es zu überwinden gilt, zieht ihren gnadenlosen Bannkreis um Europa: Menschen die sich hilfesuchend auf den Weg zu uns machen, scheitern an der Mauer um Europa und ersaufen im Meer. Das sind die Mauertoten von heute.

25 Jahre Mauerfall sind ein Grund zu feiern, aber nur wenn wir gewillt sind wie damals mutig Mauern einzureißen. Nehmen wir uns ein Beispiel und reißen die neuen Mauern ein. Unsere Inneren, die Mauern von Europa und der Welt.

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