Rufmord und digitale Doppelgänger

datenkrake
Die lückenlose Überwachung, der wir wehrlos ausgeliefert sind, wird von vielen Menschen nicht Ernst genommen. Man fühlt sie nicht und “Ich hab ja eh nichts zu verbergen” sind die Standards.
Doch ist dem wirklich so?
Wir alle haben Geheimnisse. Nein, ich meine nichts die kleinen Vergehen wie Falschparken oder Hundehaufen, die übrigens, sofern sie mit einem Knöllchen belegt werden, auch die Bestandsdatenauskunft auf den Plan rufen könnten.

Ich meine unser allzu menschliches Interesse am Obskuren, Abseitigen, Konspirativen. Kurz, die Neugier, ohne große Gefahren von Dingen zu erfahren, über die man in der Vergangenheit nur spekulieren konnte.

Die ungefilterte Freiheit von Wissen, Informationen und Kultur hat erst die breite Faszination der Menschen für das Internet geweckt.

Unsere Lust, von der gemütlichen Couch aus durch Selbststudium zu wachsen, mündiger zu werden, belohnt das Netz mit seinem Füllhorn der Angebote.

Dabei lauert ständig der digitale Doppelgänger, der jeden Tag wächst und einen überlebensgroßen Schatten wirft.
Die digitale Fratze unseres gespeicherten Abbildes, das aus den zahllosen Links und Inhalten unseres abgehörten Datenverkehrs entsteht, steht im krassen Wiederspruch zu unserer Identität.

Wenn ich als Hobby “Sherlock Holmes” durch Forensikforen, extreme Sexseiten und Mörderarchive ziehe, mich dann später durch Nazi-Ufo-Verschwörungen klicke um dann nach einem Splatter Zombie Forum am Ende des Abends einen 3D-Drucker online zu bestellen, entstehen Facetten meiner Identität, die nur meinem Informationshunger zwischen Hobby, Sensationsgier und Wissensdurst geschuldet sind. Die wirkliche Motivation bleibt dabei im Schatten. Die Spekulationen darüber verfestigen sich durch die Analyse von Verbindungen zu meinen Freunde, Verbindungsdaten und meinen beruflichen Hintergründen, ohne je wirkliche Beweiskraft zu erlagen.

Inwieweit sie sich von dem digitalen Doppelgänger wahnsinniger Massenmörder wie z.B. dem Norweger Breyvik unterscheiden, möchte ich weder wissen, noch mir vorstellen müssen.

Die Macht über meine digitale Identität liegt bei den Analysten der Geheimdienste, die Aktivitäten mit meinen Einträgen in sozialen Netzwerken zu einem umfassenden Bild verbinden. Einträge, die dann in Korrelation mit den Dingen, die meine Freunde unternehmen Zusammenhänge ergeben können, die weit über jedes spekulative Potential hinausreichen. Die Datenanalyse macht aus der Unschuldsvermutung einen Generalverdacht.

Deshalb: “Ja, wir haben alle etwas zu verbergen”. Das lückenlose Speichern und Analysieren von privaten Metadaten und Inhalten ist der Rufmord in der Informationsgesellschaft.

2 thoughts on “Rufmord und digitale Doppelgänger

  1. Pingback: Stop Watching us! | Bruno Kramm

  2. Pingback: Wahlinfo – Stop Watching us!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s