Netzneutralität gesetzlich verankern

Es war einmal: Der Netzausbau und endlose Zugänge von DSL bis zum öffentlichen WLAN und mobilen Flatrates entsprach unserem Gefühl grenzenloser Freiheit im Netz – Das Internet gehörte uns allen.

Im Mikrokosmos des Netzes kommunizieren unzählige Netzknoten untereinander und tauschen kleinste Datenpakete aus, die alle gleich behandelt wurden.
Jedes Paket war gleich, egal welche Meinung oder welcher Inhalt, egal von wem oder zu wem transportiert wurde. Es gab nie ein besseres Gleichnis für Dreiheit als die Netzneutralität.

Damit endet auch schon das Märchen, denn diejenigen, die die Freiheit des Netzes genutzt hatten, um ihre Geschäftsideen hemmungslos auszubreiten, wollen jetzt Kontrolle über das Netz, sie wollen die Netzneutralität kippen. Sie wollen die Ökonomie zum Betriebssystem des Netzes machen.
Diejenigen, die die NEtzneutralität gesetzlich festschreiben könnten, haben leider bis heute nicht kapiert, was Freiheit im Netz für die Idee von Demokratie wirklich bedeutet.

Die Deutsche Telekom und viele andere Anbieter von Internet- und Mobilfunkverträgen haben das Ende der Flatrates und der Netzneutralität verkündet. Sie möchten in Zukunft den eigenen Diensten Vorfahrt geben und Angebote fremder Anbieter drosseln.

Was heisst das praktisch?
Du machst ein Videostream-Wochenende mit Deinen Freunden und die Videos der coolen Bands hängen nur noch.
Du willst Deinen selbst produzierten Film streamen, doch der stottert nur noch obwohl die HD und Dolbysurround Videoclips der Unterhaltungsindustrie alle flüssig laufen.

Du surfst aus Neugier durch kritische Angebote und der Zugriff wird lähmend langsam.
Du streams live einer Demo und die Journalisten sehen nur noch eine Diashow. Blöd wenn gerade das Bild vom Einsatz des Pferffersprays nicht dabei ist.

Das erinnert an die Mautstationen auf Autobahnen – doch wie so oft funktionieren die Gleichnisse nicht, denn im Internet ist dieser Datenstau eher wie die Strassensperre eines wild gewordenen Diktators.

Die Zweiklassengesellschaft erfasst jetzt das Netz und die Überwachung des Datenverkehrs wird gleich noch mit eingeführt. Störerhaftung soll ja auch bald die Provider betreffen. Denn der Provider kann ja nur zwischen den Inhalten unterscheiden, wenn er genau überprüft, wer als Sender und Empfänger fungiert und um was für eine Art Daten-Paket es sich handelt.

Auch gilt jetzt plötzlich nur noch der Wettbewerb: Konfrontation statt Kolaboration der Anbieter, denn die bisherige Regel “Du leitest weiter, wenn ich Deine Sachen auch weiterleite! ist jetzt zum Bussinessmodell für die mit dem besten Netz geworden.

Dabei hat gerade die Telekom eine riesengroße Netz Infrastruktur von den Bürgern geschenkt bekommen, die sie versprach weiter zu pflegen und auszubauen. Das haben nur viele vergessen, den kaum erinnert sich einer, dass die Telekom mal Teil der Post war und ihre Netze uns gehörten.

Die Aufgabe der Netzneutralität passt aber erst recht perfekt zu jenen, die im Netz eine Gefahr für ihre Macht sehen, die den freien Raum Internet besser kontrollieren wollen.

Das passt auch perfekt zu den Wünschen der nimmersatten Unterhaltungsindustrie. Sie drängt darauf, dass die Anbieter den Datenverkehr genau durchleuchten, um eventuelle Urheberrechtsverletzungen verfolgen zu können.
So binden die Internetanbieter ihre Kunden an das eigene Angebot und das von Partnerunternehmen. Sie verhindern Konkurrenz und sorgen dafür, dass du das Internet nicht mehr frei nutzen kannst. Das stärkt die Großen der Unterhaltungsindustrie und ihre Massenprodukte, denn nur sie können sich Premium Partnerschaften mit den Providern leisten.

Netzneutralität heißt, dass kommerzielle Inhalte im Internet nicht gegenüber anderen bevorzugt werden. Und dieses Prinzip ist extrem wichtig.
Das Ende der Netzneutralität bedeutet das Ziehen von Grenzlinien im freien Netz, beschneidet die Teilhabe aller. Es würgt Innovationen und Vielfalt ab und mündet in mehr Überwachung.

Womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären…
Es war einmal die Freiheit im Netz

Ach ja, das hat übrigens mal die Kanzlerin gesagt. Schade dass sie keiner erinnert.

One thought on “Netzneutralität gesetzlich verankern

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