Mehr Recht für alle Urheber


Wenn die Unterhaltungsindustrie den Untergang und die Enteignung von Urhebern heraufbeschwört, wenn Internetnutzer kollektiv der Gratiskultur bezichtigt werden, wenn Künstler gegen ihr Publikum wettern und Branchenverbände gegen Piraten, sollte man besser misstrauisch werden und vorsichtig zwischen den Zeilen lesen.

Denn in der hoch emotionalen Diskussion um das Urheberrecht mit all seinen Nebenkriegsschauplätzen wie Abmahnungen, Schutzfristen, Remix, Leistungsschutzrecht, Kopierschutz und Youtube-Warntafeln stehen so gut wie nie die Interessen der Urheber im Vordergrund. So war das auch schon in der Vergangenheit.

Und ja, der digitale Wandel hat, wie alles, verschiedene Seiten. Einerseits die Befreiung von Kultur, da Vertriebswege und Produktionsmittel jedem im Internet offen stehen. Andererseits eine Flut von Veröffentlichungen, die über den Konsumenten hereinbricht und es für den einzelnen Künstler schwerer macht, von seinen Schöpfungen zu leben. Menschen haben im Vergleich zu früher nicht
mehr Zeit und Muse, sich Kultur zuzuwenden. Sie müssen diese aber auf ein vielfältigeres Angebot aufteilen.

Aufmerksamkeit ist ein rares Gut geworden, um das alle feilschen. Bisher können das die großen Konzerne am besten nutzen. Das geht leider häufig auf Kosten der Nischenkultur, der es am Schwersten fällt, einträglich von den eigenen Schöpfungen zu leben.

Deshalb gilt es dafür zu werben, dass Menschen die Arbeit anerkennen, die Künstler in sie stecken und bei Gefallen auch honorieren. Musik will gehört werden, Filme wollen gesehen werden und Bücher gelesen.

Das Publikum will in der immer größer werdenden Vielfalt erst einmal prüfen können, was ihnen einen Kauf wert ist. Wer immer alle Werke ungehört, ungelesen und ungesehen kauft, wird in der explodierenden Vielfalt nur wenig Neues entdecken können. Filesharing gehört zur Medienkompetenz wie das Bedienen einer Suchmaschine.

Neugier auf Kultur ist der treibende Motor für ein lebendiges Kulturbild, denn Werke, die nicht wahrgenommen werden und stattfinden, die gibt es auch nicht.

Wer Filesharer bestraft und mit horrenden Gebühren abmahnt, verhindert nicht nur Kultur, sondern zerstört auch noch Vertrauen zwischen Konsument und Urheber. Den entgegen allen von der Unterhaltungsindustrie gepflegten Vorurteilen, kaufen gerade digital natives und Filesharer mehr von der kulturellen Vielfalt als der durchschnittliche Konsument.

In der Tat: Es war noch nie leicht für Künstler von den eigenen Werken zu leben – ich weiß genau wovon ich spreche, denn ich lebe seit über 20 Jahren vom Musikmachen. Das Netz hat mir dabei geholfen, mich mit meiner Nischenkunst weltweit bekannt zu machen. Es hat mir Unabhängigkeit geschenkt und mich um den Globus touren lassen.

Neben Merchandise, Konzertgagen und CDs haben wir so unseren Lebensunterhalt selbstständig bestreiten können. Gleichzeitig hat mir die technologische Revolution Produktionen ermöglicht, die früher nur den wenigen Superstars vorbehalten waren.

Doch wenn Konzerne dann die Kontrolle des Datenverkehrs im Netz mit tiefen Einschnitten in die Privatsphäre fordern, geht es nur um das eigene Vermarktungsmonopol auf physische Kulturträger. Und es geht um ihre hohe und selbstbestimmte Beteiligung an den Verkäufen, von denen der Künstler am allerwenigsten verdient. Es geht um die mangelnde Flexibilität, neue Angebote zu schaffen.

So wie einst Musiknoten als größter Geschäftszweig zu einem Nischendasein schrumpften, so verschwindet auch das Massenprodukt CD und DVD. Im Zeitalter der Datencloud wird diesen Trägern bestenfalls das Interesse eines limitierten Sammlerkreises zu Teil.

Doch das hat wiederum mit Urheberrecht gar nichts zu tun.

Statt endlich zu begreifen, dass die Durchsetzung eines veralteten Urheberrechts unserer Wirtschaft, den Kreativen und den Nutzern schadet, verängstigt und vom Fortschritt abschneidet, setzen sich weiterhin die
Interessenvertreter und Lobbyisten der großen Konzerne mit ihren Forderungen nach Überwachung und strikter Ahndung von verwertungsrechtlichen Verstößen durch.

Wir Piraten wollen nicht nur das Urheberrecht umfassend reformieren, sondern auch das Vertragsrecht, das den Schöpfern von Filmen, Büchern, Fotos und Musik mehr Rechte an ihren eigenen Werken einräumt. Und wir wollen Verwertungsgesellschaften wie die GEMA grundsätzlich reformieren, damit nicht nur die großen Fische im Business, die bereits gut über den Verkauf ihrer Werke verdienen, noch mehr bekommen.

Solidarität für die Schwachen ist ein Prinzip, dass gerade den Kulturindustrien gut zu Gesicht stehen würde. Wir wollen, dass Kultur zirkulieren kann. Kultur die keiner mitbekommt, existiert nicht. Kultur ist zu wichtig, um nicht wahrgenommen zu werden. Übrigens gilt das gleiche für Bildung. Die wird nämlich genauso durch das geltende Urheberrecht beschränkt.

Dem gegenüber wollen wir Urheber stärken, den Zugang zur Künstlersozialkasse erleichtern, Transparenz, Basisbeteiligung und Solidarität bei den Verwertungsgesellschaften schaffen und bei der
Entwicklung neuer, direkter Vertriebsmodelle im Netz unterstützen.

Auch wenn Crowdfunding in Deutschland immer als Almosen diskreditiert wird: Eine wachsende Zahl von Künstlern gewinnt immer häufiger Unabhängigkeit gegenüber den Finanzierungsangeboten großer Verlage, die sich mit Vorschüssen umfassende Rechte an der Auswertung sichern.

Anstatt wie bisher nur Initiativen mit den großen Verbänden und Industrien zu fördern, wollen wir die kulturelle Vielfalt entfachen und genau dort unterstützen, wo es am dringendsten gebraucht wird: Die Hilfe zur Selbsthilfe, neue Wettbewerbsregeln, die den einzelnen Urheber und Künstler gegenüber Branchenriesen stärken. Denn wovor sollen wir Kulturgut schützen? Vor dem Netz, vor der Öffentlichkeit, vor den Konsumenten, vor den Fans?

Auch stehen wir zu dem Grundsatz, dass jede Schöpfung auf unzähligen Anderen aufbaut. Kultur ist und war schon immer Remix.

Wenn morgen jeder ein Urheber ist, wird das Urheberrecht zum Betriebssystem unserer Gesellschaft. Wer will da noch auf ein System aus dem letzten Jahrtausend bauen?

2 thoughts on “Mehr Recht für alle Urheber

  1. Super Text. Du bringst es auf den Punkt. Mit den gegenwärtigen Mitteln kann doch jeder DJ, Musiker und Remixer werden. Das betrifft Bild, Text und Musik. Der Erfinder, Urheber, Musiker, Texter, Autor, Komponist, Fotograf, DIchter, Male oder Kreative steht bei der Monetarisierung am Ende der Kette der Verwerter, wenn es um das Publizieren,Vertreiben oder Verkauf des Künstlerischen Werkes geht. Da hdt das Deutsche Urheberrecht auch nicht. Es ist zu ungenau. Noch dazu kommt ist das Urheberrecht in Deutschland von den Nazis 1993 monopolisiert worden mit der Absicht, die damaligen Menschen mit dem gelben Stern auszugrenzen und zu vertreiben. Das hatte System wie wir wissen. Schlimm ist , das dieses Monopol immer noch existiert. Das System GEMA beruht genau auf diesem Monopol. Da gehört gebrochen. Das kann nur eine Alternative, wie der C3S geschehen. Die C3S möchte ebenfalls wie die GEMA Urheberrechte an kreativen Werken vertreten. Mit dem Unterschied, das kein Zwang herrscht und jeder sich mit seiner Szimme einbringen kann, weil jedes Mitglied der C3S Genossenschaft eine Stimme besitzt und keine Interessenkonflikte zwischen Urhebern und Berwertern existieren wird.

    Wir brauchen in Deutschland eine Verwertungsgesellschaft die die Interessen der Urheber und Künstler fair, transparent und Gerecht vertritt.

    Auf zu einem Novelliertem Urheberrecht im Sinne der Urheber.

    Für ein Starkes Recht der Künstler gegenüber der Musikindustrie.

    Brecht die Urheberverwertungs Monopole!

    Für neues Gutes Urheberrecht welches die Kunst stärkt und nicht die monetarisierte Gier.

    Macht mit bei der C3S unter http:c3s.cc

  2. Danke für diesen Blog Beitrag, in vielem stimme ich mit Ihnen überein!

    Wir müssen aus dem Urheberrecht ein Ermöglichungs- und kein Verhinderungs- Gesetz machen!

    Verwertungsgesellschaften können und sollten dabei eine Rolle spielen, denn Pauschalvergütungen sind eine gute und einfache Sache bestimmte Nutzungen zu ermöglichen, zum Beispiel die Privatkopie! Sie können dabei dafür zu sorgen, das die Urheber nicht verhungern und weiter Werke schaffen um davon auch zu leben.

    Transparent und demokratisch sollten die Vgs schon gerne sein und ich denke wir sind da gemeinsam auf einem guten Weg für mehr Transparenz zu sorgen. Ich bin z.B. Mitglied in der VG Bild Kunst und engagiere mich da auch ehrenamtlich im Vorstand, weil ich will, dass es da mit rechten Dingen zugeht. Bisher habe ich auch den Eindruck, dass dort gut mit dem Geld, dass für die Mitglieder eingezogen wird, umgegangen wird. Es wird schnell und gerecht verteilt und der Kostensatz für die Verwaltung liegt seit Jahren um die 6%. Dort hat auch jedes Mitglied eine Stimme und kann diese, wenn es sie nicht selber ausüben will, auch auf Verbände seines Vertrauens übertragen.

    Ihre Forderung nach einem besseren, Urheber Vertragsrecht kann ich auch nur unterstützen! Wir müssen die Urheber vor der Macht der Verwerter besser schützen ! Um das zu erreichen hat sich die Initiative Urheberrecht gegründet und bemüht sich da politisch Druck zu erzeugen. http://www.urheber.info/ absichtlich sind dort keine Verwerterverbände aufgenommen worden um, diese Forderung klar zu vertreten.

    Leider brauchen aber auch die kleinen Produzenten einen solchen Schutz vor den großen Verwertern. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, der ich als ebenfalls ehrenamtlicher Vorstand angehöre, hat als Vertretung vieler sogenannter Rucksack Produzenten ( in der Regel Filmemacher, die als Urheber ihre eigenen Filme produzieren) deswegen gerade die VFF eine reine Produzenten Verwertungsgesellschaft, in der die ÖR Sender und ihre Töchterfirmen das sagen haben, indirekt angegriffen, da die ÖR Sender Ihre Auftragnehmer alle über eine Vertragsklausel gezwungen haben, dort Mitglied zu werden. Mehr dazu hier http://www.agdok.de/de_DE/news/184248/hpg_detail

    Leider teile ich Ihren Optimismus mit Crowd funding in Zukunft Filme zu finanzieren nur begrenzt auch bei Musik übrigens nicht. Ich empfehle dazu das Interview zu lesen das Jaron Lanier gerade zu seinem neuen Buch “Who owns the future” auf Salon.com gegeben hat. http://www.salon.com/2013/05/12/jaron_lanier_the_internet_destroyed_the_middle_class/

    Für Filmschaffende die eigentlich immer im Team arbeiten und teilweise jahrelang für ein einziges Werk brauchen, ist es schwer ihr Geld über live Auftritte und merchandise zu verdienen.

    Auch die direkt Vermarktung ist natürlich ein mühsames Geschäft, aber wir probieren es trotzdem gerade aus. 120 Filmemacher haben dafür gemeinsam mit der Stiftung Kulturserver gGmbH http://www.kulturserver.de ein Internet Portal aufgebaut http://www.onlinefilm.org wo jeder Filmschaffende seit 2007 seine Filme anbieten kann. Als download oder stream, als Preview oder in voller Länge, für umsonst oder gegen Einwurf kleiner Münze, ganz wie es seine wirtschaftliche Situation erfordert oder sein Sendungsbewusstsein verlangt. Inzwischen werden über 3.000 Filme legal angeboten. “Films are made to be seen” ist das Motto und auch wenn die Filme DRM frei angeboten werden, hoffen wir doch getreu unserer Philosophie des “Digital rights Fairtrade” das immer mehr Leute bereit sind, für unsere Filme zu zahlen, um so den Machern ein Auskommen zu ermöglichen und die Mittel für die Produktion weiterer Filme zukommen zu lassen. Im Vergleich zu den download Zahlen, die bei uns angebotene filme auf filehostern oder youtube erreichen sind die Abrufzahlen bei onlinefilm.org mit „digital rights fairtrade“ aber leider noch sehr bescheiden.

    Die Plattform gehört einem Kollektiv von Filmemachern und jeder der die Sache unterstützen will, kann sich auch daran beteiligen, nur kann niemand mehr als 5% der Stimmrechte bekommen egal wie viele Anteile er erwirbt. So wollen wir Spekulanten abhalten und dafür Sorgen, dass die Plattform im kollektiven Besitz derer bleibt, die sie zum Anbieten ihrer Filme nutzen wollen.

    Eine andere Idee die zu Ihren Forderungen passen könnte, ist die, einen Teil der Zwangs- Haushaltsabgabe ( da zahlen wir doch schon eine art Kulturflatrate!) für alle möglichen Demokratie und Vielfalt fördernden Internet Projekte abzuzweigen und über neue pluralistisch besetzte und regional verortete Gremien und zum Teil über etwas wie flattr zu verteilen. In der AGDOK haben wir da mal angefangen ein Modell zu entwickeln http://agdok.de/de_DE/press/153743/hpg_detail und würden uns über eine weite Debatte und Unterstützung in der Netzgemeinde freuen!
    Gerne auch in Ihrem Blog!

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