Habemus novum papam

kirchesünde
Die weltliche Hysterie scheint keine Grenzen zu kennen, während sie auf ein himmlisches Zeichen aus Rom wartet – Welche Farbe hat der Rauch?

So absurd es auch klingen mag – Mit der vollkommen intransparenten Wahl eines neuen Papstes verbinden viele Christen auch immer die Erneuerung ihres Glaubens. Doch bewegt sich die katholische Kirche seit Jahrtausenden in kaum messbarer Zeitlupe. So erscheint das Abdanken eines Papstes zu Lebzeiten bereits wie ein unerhörter Aufbruch ins neue Zeitalter.
Dennoch, keine andere Glaubensgemeinde hat die Reform dringender nötig wie die reichste Kirche der Welt – In Europa ist der Graben zwischen Gesellschaft und Kirche unüberwindbar groß geworden : Die modernen, urbanen Lebensrealitäten haben sich aus dem verlogenen Konservativismus und engem Moralkorsett gelöst.

So treffen die neuen Familienmodelle auf das monogame und verstockte Rollenverständnis von Mann und Frau des Vatikans. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Kinderwunsch, endlich auch in der Mitte unserer Gesellschaft akzeptiert, ernten im Kirchenstaat nacktes Entsetzen.
Die Abtreibung, die Frauen zwar gesetzlich noch immer nicht die umfassende Autonomie über den eigenen Körper verschafft hat, findet nicht mehr in verdreckten Hinterzimmern statt – “Gott sei Dank”, möchte man sagen, wäre nicht die ewige Verdammnis, mit der die Kirche bestraft und den Eingriff mit Mord auf eine Stufe stellt.

Neben den Dogmen der Kirche sind es aber vor Allem Ignoranz und mangelnde Einsicht, sich den Skandalen der jüngsten Vergangenheit zu stellen, um Vergebung zu bitten und Sühne zu tun. Der organisierte und vertuschte Kindesmissbrauch von Schutzbefohlenen und die Verweigerung von ärztlicher Hilfeleistung nach Vergewaltigungen gehören zu den grässlichsten Unmenschlichkeiten, die nur eine Kirche hervorbringen kann, die den Menschen von Geburt an der Sünde bezichtigt und Lust als Schwäche geißelt. So kasteien Geistliche weiterhin ihre geheimen Gelüste, bis sie in der Dunkelkammer der eigenen Schuldkomplexe zu Monstern der eigenen Hölle mutieren und sich hinter der Kulisse stummer Scheinheiligkeit an den Schwächsten ergehen. Statt endlich dem einfachen Wunsch nach Zweisamkeit die Absolution zu erteilen wurde der Jahrhunderte alte Spuk des Zölibats auch ins neue Jahrtausend getragen.

Im Gegensatz zu seinem deutschen Vorgänger, dem katholischen Dogmatiker alter Schule, gibt der neue Papst Franziskus I aus Argentinien, mit angeblicher Schwäche für Ökologie und Klimawandel nur auf den ersten Blick ein moderates Bild ab. Doch sollte man sich nicht täuschen lassen. Gerade in Südamerika hat die Kirche einen weit tiefgreifenderen Einfluss auf die Gesellschaft und die politische Klasse. Beinahe jede öffentliche Debatte benötigt dort des Segens der Kirche und dessen ist sich Jorge Bertoglio sicher, wenn er die gleichgeschlechtliche Partnerschaft als “Plan zur Zerstörung Gottes” bezeichnet.
Sollte er unter seinem neuen Namen Franziskus I dieser Art von Reflexen verfallen, wird sich die katholische Kirche noch weiter aus der Mitte unserer westlichen Gesellschaften entfernen. Natürlich nur außerhalb der Grenzen Bayerns.

4 thoughts on “Habemus novum papam

  1. Franziskus spricht den Segen Urbi et Orbi an “Frauen und andere Geschöpfe guten Wesens…”
    Ist dem denn noch etwas hinzuzufügen ?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s