Radio Z und die bayerische Radiovielfalt

Bildschirmfoto vom 2013-02-21 20:39:44
Der Kultsender Radio Z aus Nürnberg steht kurz nach seinem 25 jährigen Jubiläum vor dem Aus. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien kürzt die Förderung um 20% ohne weitere Gründe.
Für einen Sender, der nur durch überwiegend ehrenamtliches Engagement der Redaktionsmitarbeiter überleben kann, bedeutet dieser finanzielle Schnitt das sichere Ende.
Angesichts der vollmundigen Versprechen, die Horst Seehofer vor kurzem zum Medienstandort Bayern und seiner aktiven Förderung abgegeben hatte, ist diese Entscheidung des Rats ein eindeutiges politischer Signal und Angriff auf die Meinungsvielfalt.

Dabei ist der in den späten 80ern gegründete, erste freie Sender Bayerns den konservativen Medienwächtern schon immer ein Dorn im Auge. Diverse Versuche, dem Sender mit Klagen zum Jugendschutz den Stecker zu ziehen, waren bereits in den 90ern gescheitert. Die offene Haltung zu Sendeformaten, die sich mit kritisch mit Rechtsextremismus, Diskriminierung und Ausgrenzung beschäftigen, stößt seit Anfang an bei konservativen Bayern auf wenig Gegenliebe. Im Gegensatz zu dem öffentlich-rechtlich finanziertem BR, der in den letzten Jahrzehnten häufig durch sein politisch gefiltertes Programm aufgefallen ist, produziert Radio Z ein vielfältiges Programm zwischen Queer, Integration, musikalischer Nische und Protestradio und stellt einen der wenigen Lichtblicke in der bayerischen Radiolandschaft dar. Gerade das Musikprogramm ist im Vergleich zu den ausschliesslich der Mainstreamquote verpflichteten Sender ein Beispiel für kulturelle Vielfalt – übrigens ein Auftrag den der BR bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. im Zündfunk häufig sträflich vernachlässigt.

Radio Z ist dabei auch eine erfolgreiche Feldstudie für die ökonomische Wirkung subkultureller Vielfalt. In keiner anderen bayerischen Stadt haben sich so viele Nischenmärkte zwischen Plattenläden und Musikkneipen etabliert. Somit hat sich Radio Z auch mit der Schaffung neuer Arbeitsplätz verdient gemacht. Doch Subkultur war der Union schon immer suspekt.

So ist der Schnitt der Förderung durch die Medienlandeszentrale auch ein klares Signal im Wahljahr: Alles auf Linie bringen.

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