Die Freiheit der Wahl

Ich nehme keine Drogen, möchte aber die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden. Den Konsum von sogenannten illegalen Drogen zu kriminalisieren, bewirkt darüber hinaus das Gegenteil, denn statt einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen zu vermitteln, treibt die Illegalisierung Konsumenten auf einen Schwarzmarkt, der keinerlei Verbraucherschutz hinsichtlich der Qualität der konsumierten Drogen gewährleistet. Dabei werden mündige Bürger doppelt bestraft: Das Risiko für die eigene Gesundheit mangels qualitativer Prüfung und die gesellschaftliche Ausgrenzung von Konsumenten illegaler Drogen führt zur gefährlichen Grauzone, während der leichtfertige und verharmlosende Umgang mit der legalen Droge Alkohol Menschen in die Abhängigkeit treibt. Die Unterscheidung zwischen illegal und legal stellt sich somit als unbrauchbare Trennlinie dar. Sie beruht einzig und allein auf gesellschaftlichen Vorbehalten. Drogen müssen nach ihrer Gefährlichkeit hinsichtlich der körperlichen und psychischen Abhängigkeit bewertet werden. Illegalisierung stärkt dabei auch die Beschaffungskriminalität, denn abhängige Konsumenten können ihre Droge nur auf dem Schwarzmarkt erhalten, dessen Preise häufig mit der individuellen Schwere der Sucht steigen. Natürlich gilt es Jugendliche vor Drogen zu schützen – doch hier wird z.B. die Alkoholprävention sehr lax geregelt, dagegen der Besitz kleinster Mengen von cannabinolhaltigen Drogen restriktiv geahndet. Dabei gilt es, Jugendliche Vorurteilsfrei aufzuklären und einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen zu vermitteln.

Die restriktive Drogenpolitik in Europa stärkt die weltweiten Drogenkartelle und ihre menschenverachtenden Vertriebswege, da die Preise auf dem Schwarzmarkt mit den wachsenden Fahndungserfolgen proportional steigen. Dabei existiert im Schatten der Legalität eine Armee der erwerbstätig Abhängigen, die keinerlei Möglichkeiten haben, sich gegen die rücksichtslosen Arbeitsbedingungen der Kartelle zu wehren. Zwischen den Kartellen und den Gesetzesvertretern schwelt der Drogenkrieg, der jährlich Abertausende von Toten fordert. Der Nachschub von billigen Arbeitskräften macht die Opfer im Drogenmilieu zu einem kalkulierten Kollateralschaden. Die astronomischen Gewinne der Kartelle schwächen gleichzeitig demokratische Strukturen in den Schwellenländern durch Korruption und staatlicher Schattenbeteiligung an der Produktion.

Die kurzfristige Legalisierung weicher Drogen wie Cannabis in Deutschland, sowie die kontrollierte und qualitätssichernde Abgabe durch geeignete Stellen ist der erste Schritt zu einer Entkrampfung der Drogenproblematik. Statt Kriminalisierung brauchen wir eine offene
Diskussion über die Funktion von Drogen in unserer Gesellschaft. Das sogenannte „Recht auf Rausch“ braucht eine kulturelle Verankerung. Die jahrzehntelange Stigmatisierung führt einerseits zu einer gefährlichen Enthemmung im Konsum – siehe Komasaufen – und andererseits der Angst vor Kontrollverlust und Reflektion. Stichwort Psychohygiene und Therapie. Das Vermitteln eines verantwortungsvollen Drogenkonsums ist somit die begleitende Kernaufgabe einer besseren Drogenpolitik.

Die repressive Prohibition und die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen haben sich als Irrweg erwiesen. Die Statistik der Drogentoten beweist, dass gerade die Pilotprojekte einer verantwortungsvollen, die Drogenabhängigen unterstützenden Politik, zu einem unmittelbaren Rückgang der Drogentoten führt. Die Reinstallierung repressiver Kontrollpolitik dagegen, führt zu einem unmittelbaren Anstieg. Darüber hinaus muss auch die Strafverfolgung neu geregelt werden, denn Drogendelikte sind opferlose Straftaten, deren Verfolgung nur durch ein aktives Kontrollieren und eine entsprechende Leitlinienpolitik geregelt ist. Hier gilt es, die Polizei und
Strafverfolgungsorgane umfassend zu schulen und neue Leitlinien zu etablieren.

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