Literaturliste UrhR Vortrag


Philippe Aigrain „Sharing“ 2012
http://www.sharing-thebook.com/

Floor 64 „The Sky is Rising“ 2011
http://www.techdirt.com/skyisrising/

Robert Hammond „Profit Leak? Pre-Release File Sharing and the Music Industry“ 2012
http://www.scribd.com/doc/93891327/Hammond-File-Sharing-Leak

James Boyle „Public Domain“ 2008
http://www.thepublicdomain.org/download/

Silke Helfrich (Hrsg.) „Commons“ 2011
http://www.boell.de

Synopsis Vortrag:
Seit unserer Gründung ist die Reform des Urheberrechtes eines unserer Kernthemen. Denn ein Recht, das heute so niederschwellig mit den alltäglichen Nutzungsarten in Konflikt gerät, muss unserer Ansicht nach grundsätzlich reformiert werden. Und es muss den sich vollziehenden technologischen Paradigmenwechsel hin zur Informationsgesellschaft von Morgen abbilden.
Im Zeitalter der globalen Krise ist der Ruf nach Teilhabe aller und der damit verbundenen Freiheit von Wissen und Schöpfungen eine zutiefst humanistische Forderung. Gleichzeitig muss ein fairer Erlös für die Urheber von Werken gesichert werden, jedoch ohne dabei den in der digitalen Gesellschaft so wichtigen Schutz der Daten und der Privatsphäre zu gefährden.

Das Netz bietet hierzu mannigfaltige Produktions-, Promotions- und Vertriebswege für die Kreativbranche an, die früher nur wenigen Oligopolen vorbehalten waren. Die gängige Praxis der restriktiven Auslegung des reformbedürftigen Urheberrechts hingegen verunsichert und kriminalisiert die Kunden und Nutzer von kulturellen Schöpfungen und behindert auch das dringend nötige,
medienkompetente Selektieren aus der stetig wachsenden Vielzahl der verfügbaren Werke. Dabei wird häufig unterschlagen, dass besonders die Honorierung der ansteigenden Zahl selbstvermarktender, kleinteiliger Urheber von der umfassenden Nutzung der neuen Märkte abhängt – Märkte, die dringend durch neue Angebote reformiert werden müssen und im Onlinebereich auch an das Nutzungsverhalten und die offene partizipative Infrastruktur angepasst werden müssen.

Das Urhebervertragsrecht, das im Urheberrecht kodifiziert ist benötigt eine Anpassung an das gestiegene Interesse von Urhebern, die Auswertung ihrer Werke selbst in die Hand zu nehmen. Im Falle der Nichtausübung von übertragenen Nutzungsrechten müssen diese schnell und unkompliziert an den Urheber zurückfallen. Sowohl die Gesellschaft als auch der Urheber haben ein berechtigtes Interesse, dass kulturelle Schöpfungen verfügbar sind. Im Rahmen von festen Schutzfristen müssen dem Urheber Zweitverwertungsrechte eingeräumt werden, denn der “Total Buy Out” verhindert sowohl Verfügbarkeit von Werken, als das Recht eines Urhebers, sein Werk in neuen Verbindungen zu präsentieren. Die Praxis, unbekannte Nutzungsarten und exklusive, oft an gesetzliche Schutzfristen gebundene Nutzungsfristen bis nach dem Tod des Urhebers zu fordern, dürfen nicht mehr pauschal eingeräumt werden.

Das Urheberrechtswahrnehmungsgesetz legitimiert die Verwertungsgesellschaften, benötigt jedoch einer dringenden Anpassung an die Gegebenheiten der modernen Informationsgesellschaft. Eine GEMA Vermutung mag in den 60er Jahren ihrer Entstehung nachvollziehbar gewesen sein, produziert aber in einem zunehmend diversifizierten Angebot kleinteiliger Schöpfungen grundsätzliche Ungerechtigkeit. Darüber hinaus gilt es Verteilungsschlüssel bezüglich ihrer Praktikabilität und Gerechtigkeit zu überprüfen. Urhebern muss es ermöglicht werden, Werkteile aus der Verwertung zu nehmen um sie lizenzfrei selbst nutzen zu können. Die Unterteilung von Urhebern in Einkommensklassen und die daraus abgeleitete Stimmberechtigung entspricht nicht einem modernen Kulturverständnis. Mangelnde Transparenz, Verteilungsgerechtigkeit und Mitbestimmung sind die drängensten Fragen, die sich die Verwertungsgesellschaften gefallen lassen müssen.

Das Urheberrecht benötigt umfangreicher Revisionen, die sowohl den Bildungsbereich als auch die neuen Mediennutzungen betreffen. Das Zitatrecht benötigt im Bildungsbereich einer Ausweitung. Open Educational Ressources, Digitale Lernmittelfreiheit und Open Acess für Universitäten sind die wichtigsten Triebfedern für eine medienkompetente und zukunftsorientierte Ausbildung.
Durch die zunehmende Vielfalt, die aus der Demokratisierung von Vertriebswegen und Produktionsmitteln entstand, wächst die Zahl der kulturellen Schöpfungen stetig. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, nutzt der medienkompetente Konsument Werkzeuge wie P2P Netzwerke, um sich eine Übersicht zu verschaffen und um zu entscheiden, welche Werke einen Kauf rechtfertigen. Viele Studien belegen, dass Filesharing zu einem Wachstum der Kulturmärkte führt, auch wenn die Contentindustrien, die sich noch nicht ausreichend an die neuen Märkte angepasst haben, mit selektiven Studien wie der Brennerstudie das Gegenteil behaupten. Im Grundsatz liesse sich Filesharing nur durch das komplette Überwachen der Infrastruktur und der Verletzung der digitalen Privatsphäre erreichen. Ein Eingriff der nicht nur das Grundgesetz Artikel 10 (Postgeheimnis) verletzen würde, sondern die
Entwicklung der Gesellschaft zu Teilhabe und Medienkompetenz verbauen würde. Die Schutzfristen von Werken bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers nützen größtenteils nur Verwerterkonzernen und müssen im Interesse der Gesellschaft eine Verkürzung erfahren. Eine Gesellschaft die so sehr auf ihre kulturellen Wurzeln und den technologischen Fortschritt baut, darf nicht durch die übermässige Einhegung, die rein wirtschaftlichen Interessen folgt, blockiert werden.

Nach Jahrzehnten der neoliberalen Marktdominanz, die unsere Gesellschaft an den Rand des wirtschaftlich-gesellschaftlichen Kollaps geführt hat, stellt der Partizipationsgedanke der Piratenpartei eine alternative Denkweise vor, Die aus sich selbst heraus neue Teilhabe generiert und in der freien Struktur der Netze ein wichtiges Werkzeug zukünftiger Beteiligung von Demokratie, Kunst und Kultur sieht.

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