Immaterialgüter und Partizipation

Digital speicherbare Geistesleistungen und informationelle Schöpfungen dienen bereits heute als immaterielle Almende und weisen einer der Bildung und Teilhabe wechselseitig verpflichteten und verpflichtenden Gesellschaft den Weg in die Zukunft. Einer Gesellschaft, die sich von den althergebrachten Monopolen der Medien und des Konsums befreit und den Weg in eine neue Kultur der Partizipation, Mitgestaltung und Wertschöpfung weist.

Als das wichtigste Antriebs- und Fortschrittsmedium unserer Zeit bezieht das Internet seine Kraft aus einem zwar häufig lizenzrechtlich ungeklärten und hinsichtlich des bisherigen Urheberrechts zweifelhaften Umgang mit Immaterialgütern, hat jedoch innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte weltweit einen unbestreitbar großen Beitrag zur gesellschaftlich-kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Entwicklung beigetragen.(1) In der Menschheitsgeschichte fanden immaterielle Güter, Techniken und Wissen noch nie auf so vielfältige Vermittlungsarten zum Rezipienten, wurden weiterentwickelt und dann zur allgemeinen und offenen Nutzung bereitgestellt.

Darüber hinaus stellt die digitale Vermittlung und Aufbereitung von Daten eine nachhaltige, Umwelt- und Ressourcenschonende Alternative zu herkömmlichen Informationsträgern dar, die auch der höheren Revisionsgeschwindigkeit und häufigeren Aktualisierung von Entwicklungen Rechnung trägt.
Das betrifft insbesondere wissenschaftlich-technische als auch künstlerisch-bildnerische Werke und deren Entstehung aus kommunikativ-transformatorischen Prozessen heraus.

Die Möglichkeiten der vernetzten Welt als Schlüsseltechnologie dieser Wende greifen bemerkenswert tief in das bisherige Urheberrecht und seine verwandten Schutzrechte ein. Seine Neufassung und Anpassung ist eine wichtige Aufgabe für alle gesellschaftlichen verantwortlichen Ebenen um die Rahmenbedingungen für zukünftige Märkte und Geschäftsmodelle auf eine sichere Grundlage zu stellen.

Die Adaption des Urheberrechts an verschiedene Medien und Vertriebswege verlangt eine genaue Unterscheidung der Interessen, insbesondere bezogen auf die Neugewichtung und flexible Verkürzung von Schutzrechten und Fristen, Nutzung- und Auswertungszeiträumen (2). Sie benötigt eine klare Unterscheidung zwischen den Trägermedien der Information und der Ausweitung von bisherigen Schranken aber auch die Ächtung von standardisierten Abmahnungen und stufenweisen Verwarnmodellen.

Im Rahmen einer globalen Wettbewerbsfähigkeit müssen die Verwertungsgesellschaften ihren Mitgliedern gestatten, lizenzfrei einzelne Werke und Werkteile dem Creative Commons (CC) unbeschränkt zuzuführen. Daraus resultiert auch das Recht des Urhebers, seine Werke im Internet auf Portalen zu veröffentlichen, welche Verwertungsgesellschaften bisher durch rechtliche Verfügungen vom Netzzugang ausschliessen oder blockieren.

In besonderem Masse gilt das auch für die jahrelange Blockierung durch zu hohe, am physikalischen Markt orientierte Ansprüche je Titel sowohl für Downloads als auch für das Streaming. Sonderrabatte für Verwerterkonzerne stören nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit innovativer Firmenkonzepte sondern auch die Selbstvermarktung von Urhebern empfindlich. Gerade den Urhebern hilft die Förderung eines qualitativen und kleinteiligen Wachstums analog zum Begriff der ökologischen Ökonomie.

Die Verwertungsgesellschaften müssen sich ebenso von den Stereotypen der Kulturklassifizierung trennen, denn in einer kreativen Netzwelt der transformatorischen Nutzung sind nicht nur die Grenzen, sondern auch die Kulturauffassungen fliessend. (3) Konservative und tendenziöse Bewertungen von kulturellen Leistungen und ihrer künstlerisch-intellektuellen Relevanz der Gegenwart und der Zukunft werden progressiven Werken in den seltesten Fällen gerecht.

Chartsysteme dienen ausschliessliche der Konsumentensteuerung und damit der Marktkontrolle und Einflussnahme durch die großen Verwerterkonzerne.
Als kulturpolitisches Instrument einer medienmonopolistischen Vergangenheit widersprechen Charts der kulturellen Diversifizierung und Objektivität. Der Neutralität verpflichtete öffentlich-rechtliche Anstalten müssen die Verbreitung von Charts in ihren Programmen unterbinden.

Die Argumentation, daß die Aneignung digitaler Immaterialgüter keine Entlohnung auf Grund der unendlichen,Verfügbarkeit im Internet benötige geht ebenso in eine falsche Richtung wie die pauschale Gleichstellung von physischen und geistigen Gütern.(4) Gerade eine vernetzte Gesellschaft des Miteinanders muss das soziologische Prinzip der gegenseitigen Beziehung und des Austausches zwischen den Bezugssystemen achten. So wird zwar dem Urheber durch die Aneignung nichts entwendet, der Benutzer erfährt aus dem Download jedoch einen Zugewinn in Form einer kulturell affirmativen Dienstleistung, Unterhaltung oder Wertschöpfung.

Entlohnung schöpferischer Tätigkeit und der Wunsch nach anonymen und kostenlosem Zugriff verlangen im gleichen Zuge einen digitalen Fair Trade der eine umfassende Neugestaltung und Bewertung von Erlösstrukturen und Lizenzzahlungen fordert. Statt einer Stärkung von Eigentumsrechten an Immaterialgütern muß die schöpferische Tätigkeit an und für sich stärker entlohnt werden. Vielfältige Förderkonzepte helfen Künstlern unmittelbar, im Gegensatz zu Regulierungsversuchen. Sowohl eine größere Verfügbarkeit von öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten, unterstützter Zugang zu Produktionsmitteln und die Bereitstellung von detailliertem Wissen bzgl. Marketing und Geschäftsmodelle, aber auch die Förderung der Selbstständigkeit und ein unkomplizierter Zugang zur Künstlersozialkasse helfen Schöpfern von geistigen Gütern bei den Kernaufgaben selbstbestimmten Urhebertums.

Das gestiegene Interesse des Benutzers an freier Verfügbarkeit, Creative Commons, Open Source kollidiert mit den Ansprüchen von Verwertern, Verwertungsgesellschaften und Medienkonzernen. Das eingeräumte Nutzungs- und Auswertungsrecht der Verwerter und Verwertungsgesellschaften zeichnen sich häufig durch Langfristigkeit und Exklusivität aus, während Medienkonzerne und Gerätehersteller über kurzfristiges und günstiges Repertoire zur Steigerung der Attraktivität ihrer Angebote verfügen wollen. Die Lösung dieses Interessenkonflikes (5) um Urheberrechte im Internet muss sich in einer klaren Betonung zu Gunsten des Schwächsten – Urheber und Konsument – ausgestalten. Nutzungsrechte müssen gleichzeitig in der Nutzungspflicht zu Gunsten des Urhebers begründet sein.

Ein flexible und anonyme Messung des anteiligen Datenverkehrs bei den ISPs würde bei der Berechnung von punktgenauen Ansprüchen von Urhebern helfen, ist aber datenschutzrechtlich nicht durchführbar. Eine von Volumina und Transferraten abhängige Flatrate, bei den ISPs erhoben, kann mittelfristig Erlöse für Urheber erwirtschaften, die durch eine unabhängige Messung des Datenaufkommens bei den Contentnodes erhoben werden. Durch den qualitativ hochwertigen Vorhalt der Immaterialgüter bei den Contentprovidern verlieren ungesicherte Fileshareplatformen an Relevanz, da der Konsument immer die hochwertigen und von Schadsoftware freien Angebote vorziehen wird.

Das Zusammenwachsen von Medien verlangt ebenso eine Neubewertung der GEZ bzw. allgemeinen Rundfunkgebühren. Im Zuge einer stetigen Zusammenführung von TV, Radio und Internet erfordert der Rundfunkstaatsvertrag eine Erweiterung und Beteiligung für Internetmedien. (6)

Dem häufig von Verbänden beschworenen strukturellen Marktversagen im Internet steht eine horizontale und vertikale Diversifizierung (7) eines expandierenden Longtail-Marktes gegenüber, der sowohl den Urhebern als auch den Nutzern zu Gute kommt. Diesen neuen kleinteiligen Individualmarkt gilt es zu fördern und zwar direkt bei den Urhebern.

So sehr wie Technologien des Internets von Heute vor wenigen Jahren unvorhersehbar waren, so wenig können wir natürlich verbindliche Aussagen über die Technologien der nächsten Jahre treffen. Wir können nur eine sehr vage Beschreibung des Urheberrechts von Morgen abgeben, müssen aber trotzdem flexibel und mittelbar realisierbare Normen für eine Urheberentlohnung festlegen, um Härtefälle, durch Ausnahmen entstehende unrechtmässige Bereicherungen und die langfristig ungeregelte Situation einer Marktverhinderung zu vermeiden.

Aus diesem Grunde müssen im Internet auch Ausnahmefristen für Betaphasen neuer Technologien und Pauschalmodelle eingeführt werden, innerhalb deren Grenzen weitere Schranken des Urheberrechtes gelten. Leistungsschutzrechte sind für das Internet abzulehnen. Die Interpretation von künstlerischen Werken, journalistische Arbeit und dekorative Schöpfungspflege sind Ausdruck einer freien Beteiligungsgesellschaft, aber nicht unmittelbarer Wertschöpfung und müssen unmittelbar dort, wo die Leistung entsteht, vom Produzenten entlohnt werden.

Das Lösen aus internationalen Abkommen, wie der TRIPS Vereinbarung ist Bestandteil einer fundamentalen Urheberrechtsreform. Hierbei gilt es im Besonderen auf die protektionistischen Hintergründe dieses Abkommens hinzuweisen. TRIPS ist Teil einer kolonialistischen Bestandssicherung, verfolgt Lobbyinteressen der Industrienationen und widerspricht sowohl den Grundsätzen einer gerechten und solidarischen globalen Entwicklungsförderung als auch einem modernen Urheberrecht für das Netzeitalter.

(1) Dieser Multiplikator gesellschaftlicher Entwicklung ist gerade hinsichtlich der demokratischen Entwicklungen in der bisher so rückständigen und isolierten arabischen Welt besonders plastisch und nachvollziehbar geworden. Viele politische und soziale Konfliktherde können erst seit Einführung des Internets objektiv bewertet werden.
Aber auch wissenschaftliche Zusammenarbeit, vernetzte Statistikberechnungen wie bei CERN und SETI helfen Probleme aber auch globale Aufgabenstellungen (z.B. Klimamodelle, Umweltverschmutzung) zu meistern. Wikipedia als die Wissensmanufaktur der Gegenwart und Zukunft ist längst ein etabliertes und globales Wissensportal mit hoher Aktualisierungsrate. Social Networks und Micromessaging helfen und informieren kurzfristig bei regionalen Kaastrophen. E-learning, netzbasierte Medizin und interdisziplinäre Projekte stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung.

(2) Ein Theaterstück z.B. benötigt von der Veröffentlichung bis zur Aufführung durchaus längere Schutzfristen im Gegensatz zu einem Popsong, der u.U. innerhalb eines Sommers sein Maxima der Auswertung erreicht hat.
(3) Punk wurde in den 70ern als eine die Zivilisation zersetzende Musikkultur betrachtet. Im Rückblick war Punk hinsichtlich der gesellschaftlichen Entwicklung eine der wichtigsten musikalischen Epochen der Nachkriegsgesellschaft. Eine Industrial Version von Johann Sebastian Bach Motiven oder ein Mashup aus Klassik und Danceloops verdeutlicht die Problematik.

(4) Auf Grund des fehlenden Knappheitsprinzip mag das einzelne Immaterialgut keine begründete Entlohnung erfahren, dem gegenüber steht jedoch die Knappheit der Ressource Schöpferkraft. Im besonderen Masse jene, die künstlerisch und wissenschaftlich herausragenden gesellschaftlichen Stellenwert tragen. Die Behauptung Kunst, Kultur und Wissenschaft würden auf bereits Geschöpftem aufbauen, zieht weder eine Grenze zwischen Plagiat und Original, sondern ignoriert und verneint den Antrieb gesellschaftlichen Wachstums an sich.
Verdichtung, Umdeutung und Neuschöpfung sind Summe von Eigenleistung und kulturell gewachsener Inspiration, ohne welche die Gesellschaft immer wieder vom intellektuellen Nullpunkt aus beginnen und schöpfen müsste.
Doch gerade eine Gesellschaft,die so stark von einer Vergeistigung ihrer Werte in digitaler Form geprägt ist, muss ihre Urheber, die als Quell zeitlich und inhaltlich begrenzt sind, angemessen entlohnen.

(5) Urheber, Nutzer, Verwerter, Mediengesellschaften haben häufig diametrale Interessen. Auch wenn Verwerter und Mediengesellschaften jeweils Position zugunsten der Urheber darstellen, ist die Motivation oft subjektiver Natur, die erfolgreichen Erlösstrukturen der Vergangenheit auch hier zur Anwendung zu bringen. Dem gegenüber steht das Interesse der Mediengroßkonzerne wie Google, Youtube, Facebook und den ISPs, mit geringst möglichen Lizenzzahlungen ein maximales Angebot von Immaterialgütern anzubieten und zu vermitteln.

(6) Als in den 30ern erst der Rundfunk und dann ein Jahrzehnt später das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, veränderte sich die Verlagswelt schlagartig, die bisher nur mit der ausschliesslichen Lizenzvergabe für Notendruck, öffentliche Aufführung und Schallplatten ein Monopol innehielt. Durch die neuen Medien, die plötzlich eine bisher nicht teilhabende Bevölkerungsschicht lizenzfrei mit kulturellen Gütern versorgte, führte man mit Hilfe der begrifflichen Zuspitzung des Marktversagens neue Verwertungsmodelle ein. Die GEZ lieferte den Verlagen und Urhebern die angeblichen Ausfälle in Form von Lizenzzahlungen und Erlösen über Verwertungsgesellschaften wie GEMA, sowie zusätzliche Wertschöpfungen über dem Urheberrecht verwandte Schutzrechte wie dem Leistungsschutzrecht.
Am Anfang des Netzzeitalters waren Fernsehen und das Internet zwei unterscheidbare Vermittler informationeller Güter. Mittlerweile haben alle Medien eine Vereinheitlichung erfahren die in Zukunft noch weiterschreiten wird. Die freie Wahl des Kanals wird dadurch stärker diversifiziert, fördert unterschiedlichste Interessen. Parallel dazu übernehmen grosse Medienkonzerne wie Google, Youtube und die ISPs die Funktion der TV Stationen. Sie partizipieren durch das unendlich vielseitige und ungeschützte Werkrepertoire.
Ein prozentualer Abschlag der Werbeeinnahmen muss an die Urheber geleistet werden, darf aber nicht in gleicher Höhe wie für physische Veröffentlichungen erfolgen.
Gleichzeitig müssen GEZ Einnahmen anteilig und entsprechend den bei den Contentprovidern gemessenen Downloadvolumina verteilt werden. Die Administration hierfür sollte von den VGs vorgenommen werden, die ein transparenteres Abrechnungsverfahren für ihre Mitglieder bereitstellen müssen. Durch die Zusammenführung von GEZ Gebühren, Google und Youtube Abgaben und der paritätischen Abrechnung entsteht eine gerechte und angemessene Vergütung. Die Kombination mit Leermedienabgabe, Geräteabgabe und Netzerlös kann auch die Mehrgenerationenkopie auf physische Träger obsolet machen.
Je stärker Mediengesellschaften den Verwerter und den Urheber entlohnende Verwertungsstrukturen verdrängen, umso stärker müssen sie ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden und diese Verluste abfedern.

(7) Das vielzitierte Marktversagen bedeutet einen Paradigmenwechsel weg von den 360 Grad Deals der Verwertungsfirmen hin zum Direktmarketing durch den Urheber. Nicht die Kultur stirbt aus, allenfalls die herkömmlichen, rückschrittlich orientierten Kulturinstitutionen und Industrien bleiben auf der Strecke, sofern sie es nicht vermögen, den Wandel in neue Geschäftsmodelle zu integrieren. Der digitale Wandel in eine neue Informationsgesellschaft bedeutet die Transformation der Kulturindustrie (Verleger, Studios, Labels). Die Forderungen der Musikindustrie, Internetinhalte mit Exklusivitätsansprüchen aus Urheber-, Leistungsschutzrecht und Copyright der physikalischen Welt zu belegen, ist zum größten Teil Besitzstandssicherung und wird von einem Großteil der progressiv arbeitenden Künstler und Urheber nicht unterstützt.
Im Internet gilt es mannigfaltigen Vertriebswegen Rechnung zu tragen. Der Einbruch der Tonträgerumsätze wird medienwirksam von der Musikindustrie propagiert, doch kreative Musiker haben schnell neue Wege der Vermarktung entdeckt und die träge agierende Industrie in puncto Zukunftstechnologie längst überholt. Täglich entstehen neue Konzepte der Wertschöpfung, wie z.B. Pledge Music, Sell A Band etc. Viele etablierte und von den Fesseln großer Plattenfirmen befreite Musiker versuchen sich mit den erfolgreichen Konzepten der Web 2.0 Vermarktung. Kleine Einpersonenbetriebe können ihre Produkte gleichwertig gegenüber großen Massenprodukten der Unterhaltungsindustrie positionieren. Der Konsument kann sich frei zwischen einer Skala aus Massengeschmack und Nischenprodukt bedienen. Der „Long Tail“ Markt bekommt eine neue Bedeutung: Die Summe der kleinen, oft in Statistiken und Charts herausgekürzten Produkte macht einen Großteil des Gesamtertrages aus.
Das Internet stellt sich als grundlegend demokratisches Werkzeug zur Verfügung, das zur Massenverbreitung weder große Konzerne noch überproportionale Budgets benötigt.
Die Daseinsberechtigung einer im Massenmarkt des letzten Jahrhunderts legitimierten Musikindustrie wird dabei natürlich grundlegend in Frage gestellt. Die eigentlichen Wertschöpfung bleibt erstmals in der Hand der Urheber, die früher gewohnt hochprozentige Beteiligung der Konzerne und Verlage bleibt aus. Erfolgreiche Beispiele wie Radiohead, U2, Nine Inch Nails, Madonna belegen den Erfolg der Versuchsanordnung im Internet. Das noch so junge Medium experimentiert und bietet eine Interaktion zwischen Musiker, Musikhörer und dem Medium Internet als Kunstplattform an und für sich. Es ist nicht verwunderlich, das gerade die Industrie in Partnerschaft mit der GEMA das Internet als „Dammbrecher des Urheberrechtes“ stigmatisiert. Obwohl auf Leermedien jeder Art Abgaben erhoben werden, verurteilt man in Exempel statuierender Weise Filesharer, die bei illegaler Downloadaktivität ins Netz gehen und die bereits vergüteten Medien mit Inhalten bespielt haben. Je länger Filesharing als krimineller Akt verfolgt wird, umso erfolgreicher werden sich neue, verschlüsselte Verfahren etablieren, die sich dem Zugriff der Onlinefahnder entziehen werden. Das ein Großteil der Urheber an einer freien Verfügbarkeit seiner Werke im Internet interessiert ist, wird von der Industrie zu gerne verschmiegen. Künstlern ist längst der multiplikatorische Werbeaspekt der Downloads klar geworden. Die eigentliche Wertschöpfung geschieht auf den Konzerten, dem Merchandiseverkauf und Auftritten im Rahmen großer Medienevents. Der Konsument ist trotz des Internetzeitalters ein Jäger und Sammler. Kulturgut wird in der heimischen Bibliothek als Ausdruck der eigenen Biographie nach wie vor gesammelt. Die Werke, die gefallen, werden meistens auch gekauft um das haptische Bedürfnis zu erfüllen, während die weniger interessanten Downloads auch wieder im digitalen Mülleimer landen. Das „Vorhören“ aus dem Plattenladen von Gestern geschieht heute im privaten Raum am PC. Die Weitergabe von Freund zu Freund in digitaler Weise als Tonträger oder File löste das analoge Tape ab. Wenn auch in größerem Umfang, so hat der normale Konsument sogar ein geringeres Pensum Zeit als noch im letzten Jahrhundert, um sich mit Musik eingehend zu beschäftigen, denn die Anzahl der unterhaltungstechnischen Medien hat sich mehr als verdoppelt: Internet, SMS, Videogames, Videofilme, Kabelfernsehen, Social Media etc. haben sich in den Wettbewerb der Freizeitaktivitäten eingereiht und die Zeit für den ausschliesslichen Musikkonsum radikal verkürzt. Der volkswirtschaftliche Schaden der den Filesharern von Musik gerne vorgeworfen wird, liegt jedoch an der Diversifizierung der gesamten Freizeitaktivitäten, die dennoch keinen größeren Raum im gesellschaftlichen Leben einnehmen.
Kurz: Mehr Aktivitäten innerhalb der gleichen Zeit bedeutet geringeren Umsatz für die einzelne Aktivität, zu der auch Musik zählt. Sicher gibt es auch den „Fileshare Messie“, der sämtliche verfügbaren Musikbibliotheken, die illegal im Netz angeboten werden auf seine Festplatte rafft. Da er diese jedoch im seltensten Falle nutzt, macht er sich auch nicht der Unterschlagung von Nutzungsrechten strafbar. Es ist auch zu beachten, das der Konsument nicht mehr Zeit als zuvor zur Verfügung hat, um Inhalte jedweder Art zu konsumieren. Die Diversifizierung im Internet findet horizontal, als auch vertikal statt. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten sowie eine Vielzahl von gleichwertig präsentierten Produkten zwischen Massenmarkt und Nischenprodukt. Konzerne können entgegen alter Gepflogenheiten den neuen Markt nicht mehr steuern. Die Produktionsmittel liegen mittlerweile in der Hand eines Massenmarktes, der sich der neuen günstigen Vertriebswege bedient und die Marketingtools der Social Medias nutzt. Spitzenprodukt und Nischenprodukt rücken näher zusammen, der größere Teiler der sinkenden Erlöse verlangt eine Neubewertung der Urheberabgabe, denn der Unterschied zwischen Konsument und Kulturschaffenden im neuen Demokratieraum Internet ist fliessend.


Fotonachweis: C-C http://www.planetofsuccess.com/blog/

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